Neue Militärbasis

Möglicher Krieg um Taiwan: Japan rüstet sich für den Ernstfall

Nicht nur Taiwan bereitet sich auf einen Angriff Chinas vor. Auch Japan rüstet auf – und verlegt nun Militärmaschinen in die Nähe des Konfliktherds.

Seit Mittwoch übt Taiwan für den Ernstfall – einen chinesischen Angriff auf den demokratisch regierten Inselstaat. Beim jährlich stattfindenden Großmanöver „Han Kuang“ steht diesmal unter anderem die Widerstandsfähigkeit der gesamten taiwanischen Bevölkerung im Mittelpunkt: Die 23 Millionen Taiwaner sollen lernen, wie sie sich im Kriegsfall zu verhalten haben. China betrachtet Taiwan als Teil des eigenen Staatsgebiets und droht seit Jahrzehnten damit, sich die Insel einzuverleiben.

Auch in Taiwans unmittelbarer Nachbarschaft rüstet man sich für das Horrorszenario eines Kriegs um Taiwan, vor allem Japan sieht China zunehmend als Bedrohung für die eigene Sicherheit. In einen Konflikt um Taiwan würde wohl auch der Inselstaat, in dem mehrere Zehntausend US-Soldaten stationiert sind, hineingezogen werden.

Jetzt nahm Japans Militär, die sogenannten Selbstverteidigungsstreitkräfte, einen neuen Stützpunkt in Betrieb: In Camp Saga auf der südlichen Hauptinsel Kyushu sollen insgesamt 420 Soldaten und weiteres Personal eingesetzt werden, zudem werden hier Japans Transportflugzeuge vom Typ V-22 Osprey stationiert. Die Maschinen der US-Hersteller Bell und Boeing können wie ein Hubschrauber vertikal starten und landen, neben Japan hat nur das US-Militär die Ospreys im Einsatz.

China und Taiwan: Darum geht es in dem Konflikt

Taiwans F-16-Kampfjet (links) überwacht einen der beiden chinesischen H-6-Bomber, die den Bashi-Kanal südlich von Taiwan und die Miyako-Straße in der Nähe der japanischen Insel Okinawa überflogen.
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China-Taiwan-Konflikt: „Das Sicherheitsumfeld rund um Japan hat sich zunehmend verschlechtert“

Am Mittwoch landete der erste Osprey in Camp Saga, die weiteren 16 Maschinen sollen bis Mitte August folgen. Bislang waren die japanischen V-22 in der Nähe von Tokio stationiert.

Ihrer neuer Einsatzort hängt laut der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo direkt mit der Gefahr eines eskalierenden Taiwan-Konflikts zusammen. „Die Verlegung der Ospreys spiegelt die jüngste Konzentration Tokios auf die Stärkung der Abschreckungs- und Reaktionsfähigkeit in der südwestlichen Nansei-Inselkette wider, die aufgrund ihrer Nähe zum potenziellen geopolitischen Krisenherd Taiwan ein strategisch wichtiges Gebiet darstellt“, schreibt die Agentur. Zu den Nansei-Inseln gehören Dutzende Inseln zwischen Kyushu und Taiwan, darunter auch Okinawa, wo sich mehrere US-amerikanische Militärbasen befinden.

„Das Sicherheitsumfeld rund um Japan hat sich zunehmend verschlechtert, und es ist unsere dringende Aufgabe, unsere Fähigkeiten zur Verteidigung der Insel zu stärken“, sagte am Dienstag Japans Verteidigungsminister Gen Nakatani. Japan baut seine Verteidigungsfähigkeiten seit Jahren aus, bis 2027 soll der Wehretat auf zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts verdoppelt werden.

Eine japanische Osprey-Maschine bei einer Übung im Jahr 2022.

Japans Aufrüstung ist umstritten

Die Aufrüstung ist in der japanischen Bevölkerung nicht unumstritten, auch anlässlich der Verlegung der Ospreys kam es laut Kyodo am Mittwoch zu Protesten vor der neuen Militärbasis Camp Saga. Kritiker befürchten, Japans südliche Inseln könnten im Falle eines Kriegs zwischen China und Taiwan selbst zum Ziel chinesischer Angriffe werden. Auch gelten die Ospreys vielen Japanern als potenzielle Gefahrenquelle – erst vor zwei Jahren war eine der Maschinen vor der Insel Yakushima abgestürzt, alle acht US-Besatzungsmitglieder kamen dabei ums Leben.

Japans stellvertretender Kabinettschef Keiichiro Tachibana erklärte, die Regierung werde „die Stimmen der Bevölkerung ernsthaft anhören und detaillierte Erklärungen, einschließlich Sicherheitsinformationen, liefern“. „Dringende Aufgabe“ der Regierung sei es aber auch, die Verteidigungsbereitschaft des Landes im Südwesten Japans zu stärken.

Rubriklistenbild: © Tomohiro Ohsumi/AFP

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