Sorge um AKW-Ruine
„Schaden erheblich“: Selenskyj meldet russischen Drohnenangriff auf Tschernobyl-Reaktor
Der Tschernobyl-Reaktor soll von einer russischen Drohne getroffen worden sein. Selenskyj teilt ein Video des Angriffs. Die Strahlungswerte sollen normal sein.
Update vom 14. Februar, 16.28 Uhr: Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas geht davon aus, dass die in der Nacht gemeldeten Beschädigungen am ukrainischen AKW Tschernobyl auf einen gezielten Angriff Russlands zurückzuführen sind. „Wir haben heute gesehen, dass Russland das Atomkraftwerk bombardiert“, sagte die frühere estnische Regierungschefin bei der Münchner Sicherheitskonferenz. Solche Angriffe auf zivile nukleare Anlagen seien nicht hinnehmbar.
Kallas wertete das Ereignis zudem als Beleg dafür, dass Russland nicht ernsthaft an den von US-Präsident Donald Trump gewünschten Verhandlungen für eine Beendigung des Krieges in der Ukraine interessiert ist. „Das zeigt eindeutig, dass sie keinen Frieden wollen“, sagte sie. Alle bisherigen Gespräche seien völlig überflüssig gewesen.
Russland soll Tschernobyl-Hülle beschädigt haben – Selenskyj nennt weitere Details
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj fügte am Freitag auf einer Pressekonferenz auf der Sicherheitskonferenz in München hinzu, dass die Drohne in einer Höhe von 85 Metern geflogen sei. „Mir scheint, dass es wichtig ist zu begreifen, dass die Radare auf dieser Höhe nicht sehen“, sagte er. Er wertete dies im Zusammenhang mit dem Zeitpunkt des Beschusses unmittelbar vor der Konferenz als Hinweis darauf, dass das russische Militär das AKW gezielt beschossen habe und der Treffer kein unglücklicher Zufall sei. Die aus Stahl bestehende Schutzhülle hat eine Höhe von 110 Metern.
Selenskyj meldet russischen Angriff im Ukraine-Krieg: Putins Drohne habe Tschernobyl-Hülle beschädigt
Erstmeldung: Tschernobyl – Laut dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj soll Russland den neuen Sarkophag des Tschernobyl-Reaktors mit einer Drohne angegriffen haben. Das teilte Selenskyj auf der Social-Media-Plattform X mit. Die Schutzvorrichtung des Reaktorblocks 4 sei beschädigt worden. Die Strahlungswerte seien bisher nicht angestiegen und werden weiter überwacht. Weiter schrieb der ukrainische Präsident: „Ersten Einschätzungen zufolge ist der Schaden an dem Bunker erheblich.“
Selenskyj teilte auch ein Überwachungsvideo der Tschernobylanlage, auf dem der Angriff zu sehen ist. Um 2.02 Uhr am Morgen sieht man, wie etwas in den Sarkophag des Reaktorblocks einschlägt. Die Explosion war allem Anschein nach heftig, die Überwachungskamera wackelt. Eine Drohnenaufnahme nach dem Einschlag zeigt das Loch in der Reaktorschutzhülle und einen Brand. Im Inneren der Schutzhülle sieht man wie die Flammen gelöscht werden und die Überreste der vermeintlichen Drohne.
Video zeigt Angriff auf den Tschernobyl-Sarkophag – Strahlungswerte laut Selenskyj im Normalbereich
Last night, a Russian attack drone with a high-explosive warhead struck the shelter protecting the world from radiation at the destroyed 4th power unit of the Chornobyl Nuclear Power Plant.
— Volodymyr Zelenskyy / Володимир Зеленський (@ZelenskyyUa) February 14, 2025
This shelter was built by Ukraine together with other countries of Europe and the world,… pic.twitter.com/mLTGeDYgPT
Sorge um Tschernobyl zu Beginn des Ukraine-Kriegs – neue Konstruktion schützt vor Strahlung
Zu Beginn des Ukraine-Kriegs hatte die russische Armee Tschernobyl besetzt. Aktuell ist sie wieder unter ukrainischer Kontrolle. Schon damals bestand die Sorge, dass die Russen den Sarkophag beschädigen könnten. Die Vorrichtung soll verhindern, dass die durch die Reaktorkatastrophe im Jahr 1986 entstandene Strahlung des zerstörten Blocks nach außen dringt. Sollte das Gerüst zusammenbrechen, ist unklar, wie stark die Strahlenbelastung für das angrenzende Gebiet und die Region ausfallen könnte.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine




Der neue Sarkophag steht seit November 2016 und umgibt den alten Sarkophag aus Beton. Die Konstruktion wiegt 25.000 Tonnen und ist 165 Meter breit und 110 Meter hoch. Neben dem alten Tschernobyl-Reaktor ist auch der noch laufende ukrainische Atommeiler Saporischschja immer wieder von russischen Angriffen bedroht. (sischr)