„Größter Gratisbierbrauer der Welt“
Rückkehr mit Risiko: Wilders wird vor Niederlande-Wahl im Live-TV zerpflückt
Drei gegen Geert Wilders: Bei einer TV-Debatte weht dem Rechtspopulisten vor den Neuwahlen in den Niederlanden ein rauer Wind entgegen.
Den Haag – Am kommenden Mittwoch, 29. Oktober, finden in den Niederlanden vorgezogene Parlamentswahlen statt – zum zweiten Mal innerhalb von zwei Jahren. Die von Anfang an instabile rechte Regierungskoalition war im Sommer am Streit über die Einwanderungspolitik zerbrochen. Der Rechtspopulist Geert Wilders könnte mit seiner Partei für die Freiheit (PVV) den überraschenden Wahlsieg von 2023 aktuellen Umfragen zufolge wiederholen.
Doch Premier dürfte Wilders, der den Islam und die EU ablehnt, unabhängig vom Wahlausgang kaum werden, da die anderen großen Parteien eine Koalition mit ihm ausschließen. Sie werfen Wilders vor, den Bruch der bisherigen Koalition bewusst provoziert zu haben. „Ich habe mich für die strikteste Asylpolitik eingesetzt, nicht für den Untergang der Niederlande“, hatte er seinen Rücktritt aus der Regierung begründet.
Wilders setzte Wahlkampf zur Wahl in den Niederlande aus wegen Furcht vor Anschlag
Vor den Parlamentswahlen bläst ihm entsprechend ein scharfer Wind entgegen. So hatte Wilders am 11. Oktober seinen Wahlkampf unterbrochen, da er einen Anschlag gegen seine Person befürchtete. Ein mutmaßlich islamistisches Anschlagskomplott gegen den belgischen Premier Bart De Wever war aufgeflogen und in den Polizeiakten Wilders Name als mögliches Ziel aufgetaucht. „Ich habe ein ungutes Gefühl und stelle vorerst alle Wahlkampfaktivitäten ein“, twitterte Wilders.
Am 15. Oktober nahm er den Wahlkampf wieder auf, zeigte sich in einem TV-Duell aber erstmals am Donnerstag, den 23. Oktober, in einer Debatte auf dem Privatsender SBS6. Neben ihm hatten die liberale VVD-Vorsitzende Dilan Yeşilgöz, der konservative Henri Bontenbal (CDA) und Frans Timmermans von der linksgerichteten Groenlinks/PvdA am Schlagabtausch der Spitzenkandidaten teilgenommen. Und eins stand schnell fest: Wilders war der Außenseiter, gegen den sich die anderen verbündeten.
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Wilders polarisiert beim Thema Migration vor der Wahl in den Niederlanden
Diskutiert wurden die Themen Wohnen, Asyl und Gesundheitswesen, wobei das Wohnen Punkt 1 auf der Diskussionsliste war, wie RTL.nl berichtet. Demnach habe Timmermans für mehr Wohnungsbau plädiert, während Wilders einen Vorrang für Niederländer bei der Wohnungsvergabe forderte und gleich zum Thema Asyl umlenkte. Migration erwartbar am längsten verhandelt, wobei sich die Moderatoren laut RTL.nl vorbereiteten: Mit einer Trillerpfeife und einem Eimer Wasser in der Hand versprachen sie, eventuelle chaotische Gespräche zu unterbrechen.
Wilders war es gemäß RTL-Bericht denn auch, der einen Mann bestätigte, der sich in seiner Nachbarschaft „nicht mehr zuhause“ fühle. Woraufhin Yeşilgöz dem 62-Jährigen vorwarf, „keinen einzigen fähigen Minister aufgestellt” zu haben. „Die PVV besteht aus einem Mann mit einem Twitter-Account”, sagte sie: „Ansonsten ist sie völlig bedeutungslos.” Das brachte ihr jede Menge Applaus der Zuschauer ein.
TV-Duell vor der Niederlande-Wahl: Wilders verließ als erster den Saal
Heiß diskutiert ist in den Niederlanden vor den Neuwahlen auch das Thema Gesundheitskosten, da viele unter der hohen Selbstbeteiligung litten. Die Liberale Yeşilgöz ging jedoch aufgrund der Gesamtkosten für das Gesundheitswesen nicht davon aus, dass diese zukünftig wegfallen könne; der Staat müsse das Leben an anderer Stelle billiger machen. Wilders erklärte, dass er die Selbstbeteiligung vollständig abschaffen wolle – woraufhin ihn Timmermans als „den größten Gratisbierbrauer der Welt” bezeichnete, der Wahlkampfversprechen niemals gegenrechne.
Letztendlich waren sich die Vorsitzenden von CDA, VVD und GroenLinks-PvdA zumindest hierin einig: Wie auch immer das Ergebnis der Niederlande-Wahlen letztlich aussehen wird, sie wollen keine Koalition mit Geert Wilders PVV bilden. Nach der Debatte war Wilders als Einziger nicht für Kommentare verfügbar. Er verließ den Saal sofort. (Quellen: RTL.nl, eigene Recherche) (ktho)
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