Folgen des Ukraine-Kriegs

Rezession in Russland: Kreml-nahes Wirtschaftszentrum besorgt

Seit Beginn des Jahres sind in vielen zivilen Wirtschaftsbereichen in Russland die Zahlen stagniert. Experten und Politiker warnen vor Problemen.

Moskau – Trotz internationaler Sanktionen infolge des Ukraine-Kriegs, haben sich die Wirtschaftsprobleme des Kremls in den vergangenen Jahren noch in Grenzen gehalten. Nun warnt aber sogar eine regierungsnahe Institution öffentlich vor einer drohenden Rezession im kommenden Jahr. Dafür gäbe es bereits jetzt klare Zeichen, berichtet die unabhängige Moscow Times.

Demnach zeige die Analyse des Zentrums für Makroökonomische Analyse und Kurzzeitprognosen, dass sich ein wichtiger Wirtschaftskennwert in Russland auf ein gefährliches Hoch zubewege, was unweigerlich einen Eintritt in eine Rezessionsphase zur Folge hätte. Der sogenannte Composite Leading Indicator (CLI), dessen kritischer Wert bei 0,18 ist, sei noch im April bei 0,07 gelegen und allein bis Mai auf 0,1 gestiegen. Er berechnet sich aus verschiedensten Wirtschaftsindikatoren, die frühzeitig ein Bild über ein zu erwartendes Wirtschaftswachstum vermitteln könnten.

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Stagnation in vielen Bereichen aufgrund des Ukraine-Kriegs: Drohen Wirtschaftsprobleme in Russland?

Analysten warnen, dass der CLI noch im Oktober über die 0,18 klettern könnte. Damit wäre eine Rezession, nach Einschätzung der Experten, nicht mehr abzuwenden. Ein Faktor laut Moscow Times-Bericht ist, dass viele Wirtschaftsbereiche in Russland bereits Anfang des Jahres erkennbar stagniert seien. Diese Entwicklung könnten nun auch die wiederholten Leitzinssenkungen durch die russische Zentralbank nicht mehr aufhalten.

Der Bericht der Exilzeitung deckt sich mit einer früheren Warnung des Zentrums für Makroökonomische Analyse und Kurzzeitprognosen, über die im Juni bereits die Tagesschau berichtete. Demnach hatten die Forscher schon damals davor gewarnt, dass es keine Anzeichen dafür gebe, wie sich der Abwärtstrend in Russlands Wirtschaft so schnell wieder umkehren lasse.

Schlechte Nachrichten fürs BIP: In Russland stagnieren seit Monaten viele Wirtschaftsbereiche.

Auch Zentralbank und Wirtschaftsminister warnen vor Stagnation und Rezession in Russland

In der aktuellen Notiz, die Moscow Times zitiert, sind die Warnungen noch etwas eindringlicher formuliert. So heißt es, dass der bereits einsetzende Trend nicht mehr korrigiert werden könne und sogar eine Möglichkeit besteht, dass das Bruttoinlandsprodukt noch mindestens ein Jahr lang im Abwärtstrend bleibt. Auch eine weitere Leitzinssenkung hätte wenig Effekt.

Die russische Zentralbank hatte ihre ursprünglichen Wachstumsprognosen für 2025 laut Moscow Times deutlich zurückgefahren. So wäre in der mittelfristigen Prognose der Leitbank im Juli zwar noch von einem BIP-Wachtstum von ein bis zwei Prozent die Rede gewesen. Inzwischen hätte das ein Sprecher aber wieder relativiert und davon gesprochen, dass das Wirtschaftswachstum in Russland realistisch eher gegen null gehe. Auch die Wachstumsaussichten fürs nächste Jahr seien eher gering.

Die Bestätigung hierfür liefern auch aktuelle Angaben aus dem russischen Wirtschaftsministerium, auf die sowohl die Tagesschau als auch die Moscow Times verweisen. Wirtschaftsminister Maxim Reschetnikow sprach bereits im Juni bei einem russischen Wirtschaftsforum davon, dass Russland auf eine Rezession zusteuere. (saka)

Rubriklistenbild: © Pavel Bednyakov/dpa

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