Nukleare Bedrohung
Kalter Krieg 2.0: Putin erwägt erste Atomwaffentests seit 1990 – als Antwort auf Trump
Putin lässt Vorbereitungen für Atomtests prüfen. Verteidigungsminister Beloussow schlägt Tests in der Arktis vor. Trump bekräftigt Plan für US-Tests.
Moskau – Wladimir Putin erwägt offenbar die Wiederaufnahme von Atomwaffentests. Bei einer Sitzung des russischen Sicherheitsrates wies der russische Präsident am Mittwoch (5. November) das Außen- und das Verteidigungsministerium sowie die Geheimdienste an, „zusätzliche Informationen zu dem Thema zu sammeln“ und „Vorschläge zum möglichen Start von Vorbereitungsarbeiten für Atomwaffentests zu machen“. Die Aussagen von Putin wurden im russischen Fernsehen übertragen.
Putin reagierte damit auf die Anordnung von Präsident Donald Trump, dass die USA nach einer jahrzehntelangen Pause ihre eigenen Tests „unverzüglich“ wieder aufnehmen sollen. Trump begründete dies damit, dass die USA nicht hinter Russland und China zurückfallen dürften. Später sagte Trump, eine Wiederaufnahme der Tests sei aufgrund der Testprogramme anderer Staaten „angemessen“.
Putin lässt Zweckmäßigkeit von Atomwaffentests prüfen
Der russische Staatschef erklärte, dass Russland sich stets strikt an den Vertrag über das Verbot von Kernwaffenversuchen gehalten habe. Es werde sich auch weiter daran halten, solange andere Staaten keine Atomwaffen testen. „Wenn die USA oder andere Vertragsstaaten solche Versuche unternehmen, wird Russland seinerseits entsprechend antworten“, sagte er, wie aus einem vom Kreml veröffentlichten Protokoll der Sitzung hervorgeht.
Der russische Präsident antwortete bei der Sitzung des Sicherheitsrats auf eine Äußerung von Verteidigungsminister Andrej Beloussow, der vorgeschlagen hatte, „unverzüglich“ mit Vorbereitungen für Atomtests auf dem arktischen Archipel Nowaja Semlja im Nordpolarmeer zu beginnen. Kremlsprecher Dmitri Peskow wies unterdessen der Nachrichtenagentur TASS zufolge darauf hin, dass es nicht um einen direkten Testbeginn gehe. Putin lasse die Zweckmäßigkeit des Einstiegs in Vorbereitungen prüfen.
Comeback der Atomwaffen-Tests: die nukleare Bedrohung kehrt zurück




Russland erwägt nach Trump-Aussagen Wiederaufnahme von Atomwaffentests
Die Spannungen zwischen den beiden Ländern mit den weltweit größten Atomwaffenarsenalen haben sich in den vergangenen Wochen deutlich verschärft. So hat sich Trump zunehmend frustriert darüber gezeigt, dass Putin offenbar kein Interesse daran hat, den Ukraine-Krieg zu beenden. Im Oktober sagte Trump erst einen geplanten Gipfel mit Putin in Ungarn ab, ehe er einen Tag später Sanktionen gegen zwei große russische Ölkonzerne verhängte – die ersten derartigen Maßnahmen seit Trumps Rückkehr ins Weiße Haus im Januar.
Am 30. Oktober erklärte Trump, er habe das Verteidigungsministerium angewiesen, die Atomwaffentests „unverzüglich“ auf „gleichberechtigter Basis“ mit anderen Atommächten wieder aufzunehmen. Am 6. November bekräftigte er diese Ankündigung noch einmal. „Dieser Prozess wird sofort beginnen“, sagte der Republikaner in einer Videobotschaft auf seiner Plattform Truth Social.
Atomwaffentests in den USA und Russland
Der letzte US-Waffentest mit nuklearen Sprengköpfen erfolgte im Jahr 1992 im US-Bundesstaat Nevada. Der letzte Atomwaffentest Moskaus geht auf das Jahr 1990 zurück, kurze Zeit vor dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Das postsowjetische Russland, das das sowjetische Atomwaffenarsenal geerbt hat, hat noch nie einen Atomwaffentest vorgenommen.
Putin bezeichnete die Erklärungen Trumps nun als „ernste Angelegenheit“. Putin hatte bereits zuvor mehrfach erklärt, Russland werde auf mögliche Atomwaffentests der USA mit eigenen Tests antworten. Zudem hatte er seine eigenen nuklearen Drohungen zuletzt verstärkt. So sprach er auch von neuartigen Waffen wie der atomgetriebenen Langstreckenrakete Burewestnik und dem atomgetriebenen Torpedo Poseidon. (Quellen: Al Jazeera, Reuters, AFP, dpa) (cs)
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