Waffen an Kiew

Pistorius setzt auf Ringtausch: Mehr Patriot-Systeme für die Ukraine?

Der Verteidigungsminister vor dem Objekt der Begierde: Boris Pistorius (SPD) hofft in den USA auf einen neuen Deal, um Patriot-Systeme an die Ukraine liefern zu können.
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Der Verteidigungsminister vor dem Objekt der Begierde: Boris Pistorius (SPD) hofft in den USA auf einen neuen Deal, um Patriot-Systeme an die Ukraine liefern zu können. (Archivbild)

Pistorius will mehr Patriot-Systeme für die Ukraine sichern. Doch die Bestände sind knapp, und viele Länder zögern, abzugeben.

Washington D.C./Berlin – Im Kampf gegen Russlands Angriffe im Ukraine-Krieg drängt Kiew weiterhin auf mehr Luftabwehrsysteme – insbesondere auf das US-amerikanische Patriot-System. Doch die westlichen Bestände sind begrenzt, und die Lieferung gestaltet sich schwieriger als erhofft. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) setzt deshalb auf einen sogenannten Ringtausch: Deutschland will Partnerländer dazu bewegen, eigene Patriot-Systeme an die Ukraine abzugeben und im Gegenzug Ersatz oder Unterstützung aus Deutschland zu erhalten.

Patriot-Lieferung im Ukraine-Krieg: Deutschlands Rolle und der Ringtausch

Laut Pistorius laufen intensive Gespräche mit mehreren europäischen Staaten. Ziel ist es, kurzfristig weitere Patriot-Batterien für Kiew im Ukraine-Krieg bereitzustellen, um die kritische Infrastruktur und Städte vor russischen Raketenangriffen zu schützen. Deutschland selbst hat bereits zugesagt, drei Systeme zu liefern – mehr sei aus eigenen Beständen aber kaum möglich, betonte Pistorius. Deshalb sucht er nach Lösungen, wie andere Nato-Partner eingebunden werden können.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Widerstände bei Patriot-Systemen: Sicherheitsbedenken und Logistik

Der Ringtausch stößt jedoch auf Widerstände: Viele Länder wollen ihre eigenen Luftabwehrsysteme nicht für Kiew im Ukraine-Krieg abgeben, weil sie sich selbst bedroht sehen oder ihre Verteidigungsfähigkeit nicht schwächen wollen. Zudem ist die Lieferung von Patriot-Systemen technisch und logistisch anspruchsvoll. Die Bundesregierung setzt dennoch alles daran, die dringend benötigte Unterstützung für die Ukraine zu organisieren. Das Dilemma bleibt: Im Ukraine-Krieg zählt jede Waffe – doch die Ressourcen sind knapp.

US-Politik und Patriot-Systeme im Ukraine-Krieg: Trumps Forderungen und Deutschlands Bestände

US-Präsident Donald Trump hatte in der vergangenen Woche angekündigt, dass die USA erneut Waffen an die Ukraine liefern würden, die jedoch vollständig von den Europäern bezahlt werden müssten. Allerdings planen die USA offenbar nicht, eigene Militärbestände zur Verfügung zu stellen – stattdessen, so Trump, sollten die benötigten Systeme aus Deutschland kommen.

Verteidigungsminister Pistorius hat dies bislang abgelehnt. Deutschland verfüge nach seinen Angaben nur noch über sechs Patriot-Systeme, was angesichts der Verpflichtungen der Bundeswehr gegenüber der Nato ohnehin schon zu wenig sei. Bereits drei von ehemals zwölf Patriot-Staffeln wurden an die Ukraine abgegeben, zwei weitere sind im Südosten Polens stationiert, um den Flughafen Rzeszów zu schützen, der für den Transport von Waffenlieferungen an die Ukraine eine zentrale Rolle spielt. Eine weitere Patriot-Batterie wird aktuell für Ausbildungszwecke der Bundeswehr und ukrainischer Soldaten genutzt, wie das Magazin Spiegel berichtet.

Priorisierung der Patriot-Lieferungen im Ukraine-Krieg: US-Entscheidung zugunsten Deutschlands

Inzwischen haben die USA Deutschland bei der Belieferung mit dem Flugabwehrsystem des Herstellers RTX priorisiert. Nach Informationen des Wall Street Journal, das sich auf drei hochrangige US-Regierungsmitarbeiter beruft, soll Deutschland nun vor der Schweiz beliefert werden.

Die Schweiz hatte bereits am Donnerstag (17. Juli) bekannt gegeben, dass die US-Regierung sie darüber informiert habe, dass die Lieferung der bestellten Patriot-Systeme neu priorisiert wird und die Schweiz erst später mit den Systemen rechnen kann. Ob dadurch eine weitere Lieferung aus deutschen Beständen an die Ukraine möglich wird, ist derzeit noch unklar.

Ukraine-Kontaktgruppe: Konferenz zur Zukunft der Patriot-Luftabwehrsysteme

Hochrangige Vertreter von rund 50 Ländern kommen am Montag erneut zu einer Konferenz der Ukraine-Kontaktgruppe zusammen. Bei dem virtuellen Treffen werden ab 13.00 Uhr Statements zur Eröffnung von Pistorius, dem britischen Verteidigungsminister John Healey und deren ukrainischem Kollegen Denys Schmyhal erwartet. Auch US-Verteidigungsminister Hegseth soll teilnehmen. Es wird voraussichtlich darum gehen, ob die USA doch direkt Waffen an die Ukraine liefern oder ob europäische Patriot-Betreiber Systeme abgeben können. (sot mit dpa/afp)

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