Verteidigung gegen Panzer
Kampf um die Krim: Russland bereitet sich mit „Drachenzähnen“ auf Angriffe der Ukraine vor
Russland verstärkt die Krim-Verteidigung. „Drachenzähne“ sollen den Vormarsch von Bodentruppen verhindern. Doch die Taktik ging bislang nicht immer auf.
Feodossija – Seit Monaten will sich die ukrainische Armee im Rahmen ihrer Gegenoffensive weiter in Richtung des Asowschen Meers vorkämpfen. Ist dieses Etappenziel geschafft, dürfte sich Kiew auf die Krim konzentrieren – schließlich erklärte Präsident Wolodymyr Selenskyj die Rückeroberung der annektierten Halbinsel längst als Kriegsziel. Nun zeigen neue Satellitenaufnahmen, dass Russland sich mithilfe von sogenannten „Drachenzähnen“ auf einen ukrainischen Bodenangriff vorbereitet.
Videoausschnitte, die am Montag (2. Oktober) von Atesh, einer militärischen Bewegung von Ukrainern und Krimtataren, veröffentlicht wurden, zeigen Reihen von Verteidigungsanlagen in der Nähe von Feodossija. Die Hafenstadt liegt am östlichen Rand der Schwarzmeer-Halbinsel, südwestlich der Straße von Kertsch, die das umstrittene Gebiet mit russischem Festland verbindet. In der Vergangenheit wurde die Kertsch-Brücke mehrfach von der Ukraine attackiert.
Drachenzähne auf der Krim: Gegen den Challenger-2-Panzer waren die russischen Mittel machtlos
Bei Drachenzähnen handelt es sich um spitze Betonblöcke, die den Vormarsch von Panzern und Bodentruppen verhindern sollen. Ein neues Phänomen sind sie nicht, Russland nutzte die Taktik bereits mehrfach im Kampf gegen die Ukraine. Grundsätzlich lassen sich die Blöcke zumeist nicht allzu schwer beseitigen, doch sie verlangsamen eine Offensive. Im Mai veröffentlichte das ukrainische Verteidigungsministerium ein Video, in dem einer ihrer britischen Challenger-2-Panzer problemlos beiseiteschiebt.
Viele Monate bevor die ukrainische Gegenoffensive Anfang Juni begann, hatte Russland nach Angaben der britischen Regierung bereits damit begonnen, Drachenzähne um die eroberte Stadt Mariupol sowie in den besetzten Gebieten von Saporischschja und Cherson aufzustellen. „Diese Aktivitäten deuten darauf hin, dass Russland erhebliche Anstrengungen unternimmt, um hinter seiner derzeitigen Frontlinie eine Verteidigung in der Tiefe vorzubereiten, die im Falle eines Durchbruchs schnelle ukrainische Vorstöße verhindern könnte“, erklärte London vor gut einem Jahr, im November 2022.
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Experte zu Verteidigungslinien der Russen: „Strahlt sicherlich kein Vertrauen aus“
Doch insgesamt nehmen die Verteidigungsanlagen der Russen auf der Krim zu. Nicht nur in Feodossija, sondern auch im Norden der Insel, nahe der wichtigen Logistikstadt Dschankoj, hat Moskau eine Reihe von Drachenzähnen aufstellen lassen. „Das russische Militär ist sich offenbar darüber im Klaren, dass die Krim in naher Zukunft verteidigt werden muss“, sagte der russische Militäranalyst Ian Matwejew schon im vergangenen April der Washington Post.
Derselben Ansicht ist auch Frederik Mertens, strategischer Analyst des Den Haager Zentrums für Strategiestudien. Gegenüber Newsweek erklärte der Experte, dass die Drachenzähne nahe Feodossija strategisch Sinn ergeben würden. „Dies wäre die logische Rückzugsposition für die russischen Streitkräfte, die sich aus dem Norden zurückziehen“, sagte Mertens. Dort könne Russland „erneut in Stellung gehen und Kräfte für eine Gegenoffensive sammeln“. Ob man einen bevorstehenden Angriff der Ukraine erwartet, sei schwer zu sagen, doch es „strahlt sicherlich kein Vertrauen aus, wenn man die Verteidigung so weit hinten vorbereitet“.
Derweil soll das russische Militär auch Luftabwehrsysteme in die im Landesinneren gelegene Krim-Hauptstadt Simferopol verlegen und die dortigen Verteidigungsstrukturen verstärken. Dies teilte das Nationale Widerstandszentrum der Ukraine zu Beginn der Woche mit. (nak)
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