Widerstand gegen Gerrymandering

Landesweite Proteste gegen Trump wegen Wahlkreis-Plan der Republikaner

Von Austin bis Anchorage: Hunderte Kundgebungen sollen Trumps Pläne zur Wahlkreisreform verhindern, die Republikanern die Macht sichern würden.

Washington, DC – In den USA werden Wahlkreisgrenzen häufig so verändert, dass eine bestimmte Partei bei Wahlen Vorteile hat. Genannt wird das Gerrymandering – benannt nach Gouverneur Elbridge Gerry, der 1812 erstmals einen Wahlkreis zugunsten seiner Partei aufteilte. Eine Neufestlegung ist grundsätzlich nicht ungewöhnlich, mitten im Jahrzehnt allerdings schon. Denn eigentlich werden alle zehn Jahre nach einer Volkszählung die Wahlkreise neu festgelegt. Im US-Bundesstaat Texas wollen die Republikaner sie aber bereits jetzt neu aufteilen – obwohl die nächste Volkszählung erst im Jahr 2030 ansteht.

Hier begannen die Proteste: Demonstranten im texanischen State Capitol bei einer Kundgebung gegen Trumps versuchte Neugliederung der Wahlbezirke (Archivbild, 1. August 2025).

Damit wollen sie sich fünf zusätzliche Sitze im Repräsentantenhaus sichern. Man habe „Anspruch auf fünf weitere Sitze“ behauptete US-Präsident Donald Trump zuletzt im Gespräch mit CNBC. Der Zeitpunkt ist strategisch gewählt: Ende kommenden Jahres stehen die wichtigen Zwischenwahlen an. Mehr als 50 demokratische Abgeordnete hatten allerdings Texas verlassen, um eine parlamentarische Abstimmung über diese Neueinteilung zu verhindern. „Diese Neuordnung ist eine vollständige Zerstörung unserer Nation und unserer Demokratie“, kommentierte Gene Wu, einer der ausgereisten Demokraten. Zudem ist Texas kein Einzelfall: Mehr als ein Dutzend weiterer US-Bundesstaaten erwägen ähnliche Maßnahmen, wie Newsweek berichtete.

Gerrymandering im Fokus: Protestwelle in 200 US-Städten soll Trumps Pläne stoppen

Deshalb wollen Menschen in über 200 Städten in mehreren Bundesstaaten am Samstag (16. August) gegen „Trumps Takeover“ (zu Deutsch: „Trumps Übernahme“) auf die Straße gehen. Texas macht den Auftakt mit einer großen Kundgebung am Kapitol in Austin. Laut der Seite der Veranstalterorganisation „Fight the Trump Takeover“ soll es landesweit Proteste geben: in Oregon, Kalifornien, Arizona, Florida, Ohio, Virginia, Texas, New York und vielen weiteren Staaten. „Es geht nicht nur um die Politik eines Bundesstaates – es geht um die Zukunft unserer Demokratie“, heißt es von der Organisation. Trump habe „in Texas angefangen, aber er wird dort nicht aufhören. Wir wehren uns.“

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Seit dem Amtsantritt des Republikaners kam es bereits mehrfach zu US-weiten Demonstrationen gegen die Regierung, etwa den „No Kings“-Protesten im Juni und den „Rage against the Regime“-Protesten im August. Ob der US-Präsident mit dem Gerrymandering in Texas durchkommt oder nicht, ist für die US-Politik entscheidend: Im November 2026 stehen alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus sowie ein Drittel der 100 Senatssitze zur Wahl. Neue Grenzziehungen könnten das Kräfteverhältnis im Kongress entscheidend verändern. Experten schätzen, dass Gerrymandering über fast 200 der 435 Sitze im Repräsentantenhaus entscheiden könnte. Das geht aus einer Analyse der Politikprofessoren Benjamin Schneer und Maxwell Palmer in der Time hervor.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Mario Cantu / ZUMA Press Wire

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