Lage im Südlibanon
Libanon-Krieg: Israel hisst Flagge über eroberter Burg – Entwicklungsministerin bricht Reise ab
Der Konflikt zwischen Israel und der Hisbollah hat sich weiter verschärft. Netanjahu verkündet die Einnahme der Burg Beaufort. International wächst die Kritik.
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Update, 13:14 Uhr: Mit dem Vormarsch israelischer Bodentruppen im Libanon und möglichen neuen Angriffen im Raum von Beirut eskaliert der Krieg in dem kleinen Mittelmeerland weiter. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kündigte neue Angriffe auf Ziele der Hisbollah in Beiruts Vororten an, woraufhin viele Anwohner die Flucht ergriffen. Die Lage ist so angespannt, dass sie auch Auswirkungen auf die Reise von Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan (SPD) hat. „Die Reise nach Beirut musste während des Anflugs abgebrochen werden. Aufgrund laufender Bewertung der Entwicklungen der sich akut zuspitzenden Lage in Beirut wurde diese Entscheidung aus militärischen Gründen getroffen“, teilte das Entwicklungsministerium mit.
Wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland berichtet, landete die Regierungsmaschine am Montagmittag im zypriotischen Lanarca. Die libanesische Armee versuchte derweil an den Grenzen zu Beiruts Vororten, angesichts der vielen fliehenden Anwohner den Verkehr zu leiten. Auch im Süden hielten die Kämpfe an, nachdem israelische Truppen dort die Burg Beaufort auf einem 700 Meter hohen Bergrücken eingenommen hatten. Die libanesischen Staatsagentur NNA meldete zahlreiche israelische Angriffe mit Kampfflugzeugen, Drohnen und Artillerie in der Nacht und am Morgen. Bei einem Angriff seien acht Menschen getötet und 19 weitere verletzt worden.
Update, 11:58 Uhr: Die Hisbollah hat im Libanon-Krieg einen Raketenangriff auf Militärinfrastruktur der israelischen Armee in der nordisraelischen Stadt Tiberias gemeldet. Die mit dem Mullah-Regime im Iran verbündete Miliz erklärte laut Al Jazeera, der Angriff erfolge zur Verteidigung des Libanon und als Reaktion auf israelische Waffenstillstandsverletzungen.
Update, 10:46 Uhr: Der Konflikt zwischen Israel und der libanesischen Hisbollah-Miliz eskaliert weiter: Bei einem israelischen Angriff in der Nacht wurden laut der libanesischen Staatsagentur NNA im Südlibanon acht Menschen getötet und 19 weitere verletzt. Die vom Iran unterstützte Hisbollah hat derweil ihre Angriffe auf Nordisrael verstärkt. Das Büro des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu kündigte am Morgen neue Angriffe auf Ziele der Miliz in den südlichen Vororten Beiruts an. Netanjahu und Verteidigungsminister Israel Katz hätten der Armee unter anderem wegen der Angriffe auf israelische Orte eine entsprechende Anweisung gegeben.
Update, 09:38 Uhr: Israel hat Angriffe auf die südlichen Vororte Beiruts angeordnet. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu wies die israelische Armee an, „Terrorziele im Dahieh-Viertel von Beirut“ zu attackieren. Auf der Plattform X begründete Netanjahu den Befehl mit angeblichen Verstößen der Terrormiliz Hisbollah gegen das Waffenstillstandsabkommen im Libanon-Krieg. Die Angriffe seien eine Reaktion auf die „wiederholten und anhaltenden Verletzungen“ des Waffenstillstands, schrieb Netanjahu.
Erstmeldung vom 1. Juni 2026: Trotz einer offiziell geltenden Waffenruhe hat Israel seine Bodenoffensive im Libanon am Wochenende deutlich ausgeweitet. Israelische Streitkräfte überquerten den Fluss Litani und stießen weiter in Richtung des rund zehn Kilometer nördlich gelegenen Zaharani-Flusses vor. Die Lage in Nahost eskaliert also weiter. Israels Truppen nahmen bei ihrem Vorstoß im Libanon die strategisch bedeutsame Festung Beaufort ein – einen mittelalterlichen Kreuzritterbau, der auch unter dem arabischen Namen Kalaat al-Schakif bekannt ist.
Die Burg Beaufort liegt nahe der Stadt Nabatija und bietet Blick über weite Teile des Südlibanon. In den vergangenen Tagen hatten sich israelische Soldaten und Hisbollah-Kämpfer in umliegenden Dörfern heftige Gefechte geliefert. Über der Festung wehte am Sonntag die israelische Flagge, in der Umgebung war Artilleriefeuer zu hören. Auch am Montagmorgen gab es neue Berichte über Kämpfe. Laut Al Jazeera wurde mindestens ein israelischer Soldat getötet, das Militär hat die Bewohner zweier libanesischer Städte aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen.
Krieg in Nahost: Lage zwischen Israel und Libanon spitzt sich zu – Burg Beaufort im Mittelpunkt
Angesichts der Lage in Nahost und der Kämpfe zwischen Israel und dem Libanon hat der libanesische Präsident Joseph Aoun erklärt, sein Land sei mit einer „bösartigen und verwerflichen israelischen Aggression“ konfrontiert. In einem Beitrag auf X verurteilt Aoun die israelische Offensive und verspricht, sich dafür einzusetzen, „das Leid des libanesischen Volkes und insbesondere der Menschen im Süden zu beenden“. Regierungschef Nawaf Salam warf Israel eine Strategie „der verbrannten Erde und der Kollektivstrafe“ vor. Diese werde Israel „weder Sicherheit noch Stabilität“ bringen. Zugleich verteidigte er die Fortsetzung direkter Verhandlungen mit Israel als den „am wenigsten kostspieligen Weg“ für den Libanon.
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bezeichnete die Einnahme der Burg Beaufort in einem am Sonntag veröffentlichten Video als „entscheidende Wendung“ und „dramatische Etappe“ im Kampf gegen die proiranische Hisbollah. Israel sei „vereint, entschlossen und stärker als jemals zuvor“ auf die Festung Beaufort zurückgekehrt, sagte Netanjahu. Er kündigte an, die israelische Armee werde ihre „Position in den Gebieten, die unter der Kontrolle der Hisbollah standen, vertiefen und ausweiten“. Netanjahu fügte hinzu: „Wir ergreifen die Initiative, wir operieren an allen Fronten – in Syrien, im Gazastreifen, im Libanon.“ Israel hatte die Festung bereits im Libanonkrieg 1982 eingenommen und bis zum Rückzug im Jahr 2000 als Stützpunkt genutzt.
Verbündete, Feinde und Alternativen zum Mullah-Regime im Iran




Verteidigungsminister Israel Katz erklärte über den Onlinedienst Telegram, die Armee habe „ihren Einsatz im Libanon ausgeweitet, den Fluss Litani überquert und die Beaufort-Höhe eingenommen“ – 44 Jahre nach dem ersten Libanonkrieg seien israelische Soldaten dorthin „zurückgekehrt“. Die Einnahme „eines der wichtigsten strategischen Punkte“ diene der Verteidigung der Orte im Norden Israels und der Sicherheit israelischer Soldaten. Katz betonte zudem, die Soldaten würden die Festung Beaufort als Teil einer Sicherheitszone im Südlibanon halten. Der Feldzug sei noch nicht vorbei; man sei entschlossen, die Macht der Hisbollah zu zerschlagen. Auch im Iran-Krieg bleibt die Lage angespannt.
Eskalation im Libanon: Experte spricht nach Israels Offensive von „einem Wendepunkt“
Mit Blick auf die jüngsten Entwicklungen im Konflikt zwischen Israel und dem Libanon haben die USA laut einem Regierungsvertreter darauf gedrängt, dass die proiranische Miliz all ihre Angriffe auf Israel einstellt. „Im Gegenzug würde Israel von jeglicher Eskalation in Beirut absehen“, sagte der US-Regierungsvertreter, der anonym bleiben wollte, am Sonntag der Nachrichtenagentur AFP. Demnach sprach US-Außenminister Marco Rubio mit dem libanesischen Präsidenten Joseph Aoun und Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu über die laufenden Verhandlungen.
Der in Beirut ansässige Geopolitik-Analyst Joe Macaron ordnete die Entwicklung nach der Einnahme der Festung Beaufort gegenüber der Nachrichtenagentur AP wie folgt ein: „Wir befinden uns an einem Wendepunkt.“ Es sei noch zu früh zu sagen, wie die Hisbollah auf den Territorialverlust reagieren werde. Je mehr Gebiete das israelische Militär vor einem möglichen Waffenstillstand einnehmen könne, desto mehr Bedingungen könne Israel der Hisbollah aufzuerlegen versuchen. Der Experte sieht in dem Vorstoß auch ein taktisches Kalkül mit Blick auf die für die in Washington geplanten direkten Gespräche zwischen israelischen und libanesischen Regierungsvertretern.
Eskalation zwischen Libanon und Israel – scharfe Kritik aus Europa
Scharfe Kritik am israelischen Vorgehen im Libanon kam aus mehreren europäischen Hauptstädten. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron erklärte: „Nichts rechtfertigt die derzeitige massive Eskalation im Südlibanon.“ Sein Außenminister Jean-Noël Barrot sagte dem Fernsehsender BFMTV, Frankreich erkenne Israels Recht zur Verteidigung gegen die Hisbollah-Angriffe an, doch „nichts kann die Verlängerung der israelischen Militäreinsätze im Libanon und die Besetzung von Gebieten immer tiefer auf libanesischem Gebiet rechtfertigen“. Mit seinem Vorstoß im Libanon begehe Israel einen „schweren Fehler“. Die israelische Regierung verstoße damit gegen das Völkerrecht und verletze ihre Verpflichtungen gemäß der geltenden Waffenruhe, so Barrot weiter.
Auf Frankreichs Antrag will der UN-Sicherheitsrat am Montag eine Dringlichkeitssitzung abhalten. Deutschlands Außenminister Johann Wadephul rief Israel und die Hisbollah dringend auf, zur vereinbarten Waffenruhe zurückzukehren. „Das weitere Vorrücken der israelischen Armee im Süden des Libanon gibt Anlass zu großer Sorge“, teilte der CDU-Politiker am Rande seines Besuchs bei den Vereinten Nationen mit. „Wenn es aber Zivilistinnen und Zivilisten sind, die den Preis einer militärischen Eskalation zahlen und Teile des Libanon dauerhaft unbewohnbar werden, macht das Israels Nachbarschaft langfristig nicht sicherer“, sagte Wadephul.
Er warnte: „Jede weitere Eskalation verschärft die ohnehin schon angespannte Lage zusätzlich und sorgt für neue Fluchtbewegungen innerhalb des Libanon.“ Zugleich räumte er ein, das Vorrücken sei eine Reaktion auf fortdauernde Hisbollah-Angriffe auf den Norden Israels, die endlich aufhören müssten. Als Schlüssel zur Stabilisierung nannte Wadephul eine Stärkung des libanesischen Staates, der sein Gewaltmonopol auf dem gesamten Territorium ausüben müsse. Auch die britische Außenministerin Yvette Cooper kritisierte Israel. Die Eskalation habe Zivilisten getötet und vertrieben, Infrastruktur zerstört und den Raum für Diplomatie eingeschränkt.
Nach Eroberung der Burg Beaufort: Ringen um Lösung des Kriegs im Libanon geht weiter
Deutschlands Entwicklungsministerin Reem Alabali-Radovan reiste am Montag gemeinsam mit ihrem norwegischen Amtskollegen Åsmund Grøver Aukrust in den Libanon, um sich vor Ort ein Bild von den Kriegsfolgen zu machen. „Deutschland steht an der Seite der Menschen im Libanon“, erklärte die SPD-Politikerin vor ihrem Abflug. „Klar ist aber: Die Menschen brauchen mehr als Soforthilfe – sie brauchen Frieden, Stabilität und eine Zukunftsperspektive. Vertriebene müssen in ihre Heimat zurückkehren können. Dafür braucht es einen verlässlichen Waffenstillstand und ein Ende des Krieges.“ Im Mittelpunkt des zweitägigen Besuchs stehen die Lage der Binnenvertriebenen sowie die Reformbemühungen der libanesischen Regierung. Geplant sind Gespräche mit Präsident Joseph Aoun, Sozialministerin Haneen Sayed und Bildungsministerin Rima Karami.
Währenddessen geht das Ringen um eine Lösung im Konflikt weiter. Armee-Delegationen beider Länder hatten sich bereits am Freitag in Washington zu Sicherheitsgesprächen getroffen; für die kommende Woche sind weitere US-vermittelte Verhandlungen geplant. Die Hisbollah, deren erklärtes Ziel die Vernichtung Israels ist, lehnt diese direkten Gespräche ab. In der Nacht auf Montag nahm US-Außenminister Marco Rubio Kontakt zu Netanjahu und Präsident Aoun auf und drängte beide Seiten, auf eine Waffenruhe hinzuarbeiten: Die Miliz solle alle Angriffe auf Israel einstellen; im Gegenzug müsse Israel auf eine Eskalation in Beirut verzichten. (Quellen: dpa, afp, Times of Israel, Al Jazeera) (fbu)
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