Gefürchtete Rakete

Großangriff auf Kiew: Russland attackiert mit „Oreschnik“-Rakete – Merz verurteilt „rücksichtslose Eskalation“

Russland griff Kiew in der Nacht mit Drohnen, Marschflugkörpern und ballistischen Raketen an. Moskau bestätigte auch den Einsatz der „Oreschnik“-Rakete.

Update, 14:32 Uhr: Bundeskanzler Friedrich Merz hat die jüngsten massiven russischen Angriffe auf Kiew scharf kritisiert. „Die Bundesregierung verurteilt diese rücksichtslose Eskalation scharf. Deutschland steht weiter fest an der Seite der Ukraine“, schrieb der CDU-Politiker auf X – auch mit Blick auf den Einsatz der neuen Mittelstreckenrakete vom Typ Oreschnik.

Merz verurteilt die russischen Angriffe auf Kiew scharf. (Montage)

Ähnlich äußerte sich Außenminister Johann Wadephul. „Russlands Raketenterror ist schockierend. Der Einsatz einer Oreschnik ist eine weitere Eskalation.“ Das bestärke ihn darin, die beim NATO-Außenministertreffen vorgebrachten Vorschläge konsequent weiterzuverfolgen. Nur eine starke Ukraine könne Russlands Präsidenten Wladimir Putin zum Einlenken bewegen. Nach Angaben des Auswärtigen Amts sprach Wadephul bei dem Treffen im schwedischen Helsingborg mit seinen Kollegen zudem über zusätzliche finanzielle Unterstützung für die Ukraine.

Update, 10:52 Uhr: Russland soll nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj erneut die Mittelstreckenrakete Oreschnik abgefeuert haben – diesmal nach seiner Darstellung erstmals in unmittelbarer Nähe von Kiew. In einer am Morgen in der ukrainischen Hauptstadt veröffentlichten Videobotschaft sagte Selenskyj, Kremlchef Wladimir Putin habe die Rakete gegen die Großstadt Bila Zerkwa im Kiewer Gebiet eingesetzt.

Die als besonders zerstörerisch geltende Oreschnik (auf Deutsch: Haselstrauch) ist laut Selenskyj auch in Belarus von Russland stationiert. Das Waffensystem kann sowohl konventionelle als auch nukleare Sprengköpfe tragen. Aufgrund ihrer sehr hohen Geschwindigkeit von bis zu 12.000 Kilometern pro Stunde und einer Reichweite von bis zu 5.000 Kilometern gilt sie als potenzielle Bedrohung für große Teile des europäischen Kontinents. Inzwischen hat Russland den Einsatz der Mittelstreckenrakete bestätigt. Es handle sich um eine Antwort auf die „terroristischen Angriffe“ der Ukraine auf zivile Objekte in Russland, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau der Agentur Interfax zufolge mit.

Erstmeldung: Die ukrainische Hauptstadt Kiew ist in der Nacht zu Sonntag (24. April) Ziel eines massiven russischen Luftangriffs geworden. Nach ukrainischen Angaben setzte Russland eine kombinierte Angriffswelle aus Drohnen, Marschflugkörpern und ballistischen Raketen ein. Zeitweise warnte die ukrainische Luftwaffe zudem ausdrücklich vor einem möglichen Einsatz der gefürchteten Mittelstreckenrakete „Oreschnik“.

Rauch steigt über Kiew auf, während Präsident Wolodymyr Selenskyj vor einem möglichen russischen Oreschnik-Angriff warnt. Russland hatte die ukrainische Hauptstadt am 24. Mai 2026 massiv mit Raketen und Drohnen attackiert.

Die erneuten Angriffe im Ukraine-Krieg trafen Wohnhäuser, Schulen, Einkaufszentren und weitere zivile Infrastruktur in mehreren Stadtteilen, schreibt The Kyiv Independent. Nach bisherigen Angaben kam mindestens ein Mensch ums Leben, mehr als 20 weitere wurden verletzt. Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko sprach später von Schäden in praktisch allen Bezirken der Millionenstadt und von mindestens 56 Verletzten.

Ukraine-Krieg: Russland greift Kiew mit Raketen und Drohnen gleichzeitig an

Der Angriff begann nach Berichten gegen 1 Uhr Ortszeit. Journalisten von The Kyiv Independent berichteten von einer „massiven Serie von Explosionen“, die sich bis in die frühen Morgenstunden fortgesetzt habe. Landesweit wurde Luftalarm ausgelöst, während die ukrainische Luftwaffe zahlreiche anfliegende Flugkörper meldete.

Monitoring-Gruppen zählten zudem mehr als 50 Raketen und über 700 Drohnen, die nahezu vollständig auf die Hauptstadtregion ausgerichtet gewesen seien. Eine unabhängige Bestätigung dieser Zahlen lag zunächst nicht vor. Reuters und dpa bestätigten jedoch eine großangelegte kombinierte Angriffswelle mit Raketen und Drohnen.

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Putin attackiert Kiew: Wohnhäuser, Schule und Einkaufszentrum in Kiew beschädigt

Besonders schwer betroffen war nach Behördenangaben der Schewtschenko-Bezirk. Dort kam es laut ukrainischem Katastrophenschutz zu einem Teileinsturz eines Wohngebäudes. Mehrere Stockwerke seien beschädigt worden, zudem hätten Trümmer Rettungswege und Schutzräume blockiert.

Nach Angaben der Stadtverwaltung, so The Kyiv Independent, wurden Schäden unter anderem in den Bezirken Obolonskyj, Dniprowskyj, Holossijiwskyj, Solomjanskyj, Petscherskyj und Schewtschenkiwskyj registriert. Getroffen wurden demnach Wohnhäuser, ein Supermarkt, ein Einkaufszentrum, Lagerhallen, Garagen, Büroflächen sowie geparkte Fahrzeuge.

Oreschnik-Warnung löst neue Sorge vor Eskalation im Ukraine-Krieg aus

Für zusätzliche Nervosität sorgte die Warnung vor einem möglichen Einsatz der russischen Mittelstreckenrakete Oreschnik. Die ukrainische Luftwaffe hatte in der Nacht explizit vor einer möglichen Startvorbereitung gewarnt. Ob die Waffe tatsächlich eingesetzt wurde, blieb zunächst offen, konstatiert etwa The Guardian.

Bereits Stunden vor dem Angriff hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj öffentlich erklärt, Geheimdienste hätten Hinweise auf Vorbereitungen für einen kombinierten Angriff erhalten. „Wir sehen Anzeichen für Vorbereitungen eines kombinierten Angriffs auf ukrainisches Gebiet, einschließlich Kiews, unter Einsatz verschiedener Waffentypen“, schrieb Selenskyj auf X.

Das ist über die Oreschnik-Rakete bekannt

EinordnungInformation
Offizieller NameOreschnik (russisch: „Haselnussbaum“)
WaffentypRussische Mittelstreckenrakete
BesonderheitSehr schnell und schwer abzufangen
Bekannte mutmaßliche EinsätzeDnipro im November 2024, Gebiet Lwiw im Januar 2026
Aktueller StandEinsatz bei Angriff auf Kiew zunächst nicht bestätigt
Warnungen rund um den 24. MaiSelenskyj und die US-Botschaft warnten vor einem möglichen Großangriff auf Kiew
BedeutungMögliche Eskalation im Ukraine-Krieg

(Quellen: Tagesschau, ZDFheute, Spiegel, US-Botschaft Kiew)

US-Botschaft warnte bereits vor möglichem Großangriff auf Kiew

Brisant ist auch der zeitliche Ablauf vor den Angriffen. Die US-Botschaft in Kiew veröffentlichte bereits am Freitagabend (22. April) eine Sicherheitswarnung und sprach von Informationen über einen möglichen „bedeutenden Luftangriff“ innerhalb der folgenden 24 Stunden.

US-Bürger wurden aufgefordert, Schutzräume vorzubereiten, Warn-Apps zu installieren sowie Wasser, Nahrung und Medikamente bereitzuhalten. Parallel versetzte Polen wegen der russischen Angriffe seine Luftverteidigung in Alarmbereitschaft und ließ Kampfjets aufsteigen. Eine Verletzung des NATO-Luftraums wurde jedoch nicht gemeldet, so Reuters.

Selenskyj warnt vor Signalwirkung möglicher Oreschnik-Angriffe

Selenskyj warnte zudem vor den internationalen Folgen eines möglichen Oreschnik-Einsatzes im Ukraine-Krieg. Solche Angriffe könnten laut ihm einen „globalen Präzedenzfall“ für weitere Aggressoren schaffen. Russland unter Wladimir Putin dürfe nicht erlaubt werden, „Leben in diesem Ausmaß zu zerstören“, betonte er auf X.

Die Ukraine, die ihrerseits Russland in jüngster Zeit einige herbe Schläge zufügen konnte, kündigte zugleich an, ihre Luftverteidigung weiter zu verstärken. Die Bevölkerung wurde erneut aufgefordert, Warnmeldungen ernst zu nehmen und Schutzräume aufzusuchen. (Quellen: dpa, Reuters, The Kyiv Independent, The Guardian, US-Botschaft Kiew, X/Selenskyj) (chnnn)

Rubriklistenbild: © Evgeniy Maloletka/dpa/AP; Christophe Gateau/dpa

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