Selenskyj reist nach Washington

Russland kontert Trump-Drohung und warnt eindringlich: Tomahawk-Lieferung „könnte für alle böse enden“

Donald Trump zeigt sich immer entschlossener, der Ukraine Tomahawks zur Verfügung zu stellen. Die Antwort aus Moskau lässt nicht lange auf sich warten.

Moskau – Für Donald Trump wurde die Reise in den Nahen Osten an diesem Montag (13. Oktober) zum Triumphflug. In Israel durfte sich der US-Präsident von Tausenden Menschen regelrecht feiern lassen, in der Knesset erntete er viel Applaus. Der maßgeblich von seinem Lager ausgearbeitete Friedensplan scheint die erhoffte Lösung im Gaza-Krieg zu sein, die letzten lebenden Geiseln der radikalislamistischen Palästinenserorganisation Hamas sind frei – im Tausch gegen eine vierstellige Zahl palästinensischer Gefangener.

Tomahawks für die Ukraine: Russlands stellvertretender Leiter des Sicherheitsrates Dimitrij Medwedew (r.) warnt US-Präsident Donald Trump vor der Lieferung der Marschflugkörper.

Was den Ukraine-Krieg angeht, kommt Trump dem von ihm ursprünglich versprochenen Frieden binnen 24 Stunden dagegen nicht näher. Mutmaßlich auch deshalb, weil er in Gesprächen mit Kreml-Chef Wladimir Putin weitaus weniger offensiv auftritt als im Falle seiner Drohungen in Richtung Hamas. Zumindest bis jetzt. Wie Aufnahmen aus der Air Force One zeigen, bekräftigte der Republikaner gegenüber Reportern seine Bereitschaft, Kiew Tomahawk-Marschflugkörper zu liefern.

Moskau über Tomahawks: „Lieferung könnte für alle böse enden“

Trump erklärte, er könne Putin sagen: „Schaut mal, wenn dieser Krieg nicht beendet wird, werde ich ihnen Tomahawks schicken.“ Außerdem stellte er fest, dass diese Waffen „ein neuer Schritt der Aggression“ sein würden.

Die Reaktion aus Moskau ließ nicht lange auf sich warten. Einmal mehr meldete sich Dimitrij Medwedew zu Wort, der seit Beginn der Invasion vor allem mit Angriffsgelüsten gegenüber dem Westen auffiel. Der einstige Präsident und Ministerpräsident schrieb bei Telegram, Trump spreche solche Drohungen zum hundertsten Mal aus. Die Tomahawks seien jedoch für seinen Friedensplan die falsche Option.

Tomahawk im Einsatz: Im Jahr 2017 feuert die USS Porter vor der syrischen Küste einen der Marschflugkörper ab.

„Die Lieferung dieser Marschflugkörper könnte für alle böse enden. Vor allem für Trump selbst“, warnte der stellvertretende Leiter des russischen Sicherheitsrates und deutete damit womöglich einmal mehr einen Atomkrieg an. Es sei unzählige Male erklärt worden, „dass es unmöglich sei, einen nuklearen Tomahawk-Marschflugkörper im Flug von einem konventionellen zu unterscheiden“. Zudem würden sie nicht von Kiew, sondern von den USA abgefeuert werden.

Putin-Sprecher warnt USA: Tomahawks erfordern amerikanische Spezialisten

„Man kann nur hoffen, dass es sich hier um eine weitere leere Drohung handelt, die durch langwierige Verhandlungen mit einem kokainabhängigen Clown ausgelöst wurde“, ergänzte Medwedew in Anspielung auf den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, den der Kreml unbedingt beseitigen will. Der Putin-Vertraute, der einst als Hoffnungsträger für eine russische Annäherung an den Westen betrachtet wurde, hatte bereits mit schwarzem Humor reagiert, als Trump im Weißen Haus über Tomahawk-Lieferungen sprach.

Leonid Sluzki, Chef der Liberaldemokratischen Partei Russlands und Vorsitzender des Ausschusses für internationale Angelegenheiten der Staatsduma, hatte sogar davon gesprochen, „das Risiko eines Dritten Weltkriegs würde sich vervielfachen“. Dmitri Peskow nannte die Trump-Gedankenspiele „eine ernsthafte Eskalation“. Nun legte der Kreml-Sprecher, wie Medwedew, nach.

Auf dessen Post angesprochen, stellte er laut der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass klar: „Der Umgang mit solch hochentwickelten Marschflugkörpern würde zwangsläufig die Beteiligung amerikanischer Spezialisten erfordern. Das ist eine offensichtliche Tatsache. Darum geht es in Medwedews Beitrag.“ Dies sei jedem Experten bewusst, der sich mit dem Thema befasse.

Selenskyj über Tomahawks: Russland fürchtet die US-Marschflugkörper

Unklar blieb, ob die Gefolgsleute von Putin damit andeuten wollten, dass Moskau die USA im Falle von deren Unterstützung bei der Bedienung der Marschflugkörper als Kriegspartei einordnen würden. Diese Befürchtung hatte der ehemalige Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) im Bezug auf Deutschland angeführt, als er Kiews Bitte um Lieferung des Taurus-Marschflugkörpers ablehnte. Denn für deren Einsatz wäre die Expertise der Bundeswehr nötig.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Derweil reagierte auch Selenskyj auf die jüngsten Diskussionen. Auf Telegram schrieb das ukrainische Staatsoberhaupt, Kiew arbeite eng mit den USA zusammen, um die Luftabwehr zu verstärken. „Wir sehen und hören, dass Russland die Möglichkeit fürchtet, die Vereinigten Staaten könnten uns Tomahawks bereitstellen. Das ist ein Zeichen, dass diese Art von Druck effektiv sein kann, um Frieden zu erreichen“, unterstrich er den erhofften Effekt.

Die Tomahawks haben eine Reichweite von bis zu 2500 Kilometern und könnten damit auch auf Ziele weit in Russland abgefeuert werden. Der US-Thinktank Institute for the Study of War (ISW) schätzt, dass damit mindestens 1945 Militäranlagen und Luftstützpunkte des Aggressors ins Visier genommen werden könnten.

Haben in diesen Tagen viel zu besprechen: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (l.) kann aktuell auf die entschlossene Unterstützung von US-Präsident Donald Trump bauen.

Selenskyj hofft auf Ende des Ukraine-Kriegs: „Putin kann wie jeder Terrorist zum Frieden gezwungen werden“

In weiteren Posts auch auf X informierte Selenskyj über Gespräche unter anderem mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und dem kanadischen Premierminister Mark Carney, in denen es ebenfalls um die Form der Unterstützung gegangen sei. Mit Trump habe er rund ums Wochenende sogar zwei produktive Gespräche gehabt.

Aktuell sei eine ukrainische Delegation um Ministerpräsidentin Julija Swyrydenko und Andrij Jermak, Leiter des Präsidialamtes, in den USA, wo mehrere Meetings anstünden. Er selbst treffe sich am Freitag in Washington mit Trump. „Ich gehe davon aus, dass wir eine Reihe von Schritten besprechen werden, die ich vorschlagen möchte“, ließ Selenskyj wissen.

Anlässlich der 71. Jahrestagung der Parlamentarischen Versammlung der NATO verlieh er seiner Hoffnung ebenfalls Ausdruck: „Putin kann zum Frieden gezwungen werden – wie jeder andere Terrorist. Selbst die Hamas ist bereit, die Geiseln zu entlassen. Wenn das möglich ist, kann Putin ebenfalls dazu gedrängt werden, Frieden wiederherzustellen.“ (Quellen: Telegram, Tass, ISW, X) (mg)

Rubriklistenbild: © SAUL LOEB / AFP, IMAGO / ITAR-TASS

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