Druck aus dem MAGA-Lager
Streit um Epstein-Akten: Verbündete wenden sich von Trump ab
Rund um den Fall Epstein wächst der Druck auf Donald Trump: MAGA-Anhänger fordern die angekündigte Transparenz und wenden sich damit gegen den US-Präsidenten.
Washington D.C. – Für Donald Trump ist es offensichtlich ein unbequemes Thema: die Epstein-Files. „Reden die Leute immer noch über diesen Typ, diesen Creep“, ging der US-Präsident in der vergangenen Woche einen Reporter bei einer Frage nach Jeffrey Epstein an. Jedoch richtet sich Trump jüngst nicht nur gegen Pressevertreter und in gewohnter Manier gegen die Demokraten, wenn es um den Fall Epstein geht: Auch sein eigenes Lager steht nun im Fokus. Mit zunehmendem Druck richtet sich der US-Präsident gegen seine Anhänger.
Epstein-Akten: Druck auf Trump wächst – US-Präsident greift eigene Anhänger an
„Meine FRÜHEREN-Unterstützer sind auf diesen ‚Schwachsinn‘ reingefallen, mit Haut und Haar“, wirft Trump MAGA-Anhängern in einem Post auf seiner Plattform Truth Social am Mittwoch (16. Juli) vor. Die Forderungen nach Transparenz im Fall Epstein seien der „neue Betrug“ der Demokraten. „Lasst diese Schwächlinge weitermachen und die Arbeit der Demokraten machen“, hetzt Trump weiter über Anhänger seines eigenen Lagers. Deren Unterstützung wolle der US-Präsident ohnehin nicht mehr.
Rückblick auf die ersten 100 Tage: Trump krempelt die USA um – eine Chronik




Donald Trump und der Fall Epstein: Experte erwartet Auswirkungen auf Midterms
Später sagte Trump laut Bericht des US-Senders NBC News im Oval Office, er habe „das Vertrauen in bestimmte Leute verloren“, weil „sie von den Demokraten getäuscht wurden“. Eine Taktik, die besonders in diesem Fall Fragen aufwirft: Waren es doch besonders die Republikaner, die Transparenz im Fall Epstein gefordert haben.
Im Fall des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein hatte Trump einst versprochen, Licht ins Dunkel zu bringen und die geheimen Ermittlungsakten zu veröffentlichen – ein Versprechen, das tief in die Welt seiner verschwörungsgläubigen Basis hineinreichte. Zurück im Weißen Haus will der Präsident davon nichts mehr wissen: Der Aufschrei innerhalb der Trump-Anhängerschaft ist groß. Gegenüber NBC erklärte ein republikanischer Stratege: Die Debatte um die Epstein-Akten und die Enttäuschung im eigenen Lager, könnte den Republikanern bei den Midterms im kommenden Sommer zum Verhängnis werden.
Epstein-Akten: Republikaner fordern Klarheit – und stellen sich gegen Trump
Von Trumps Angriff gegen die eigene Anhängerschaft lassen sich Berichten zufolge nur wenige beirren. Die Republikanerin Marjorie Taylor Greene kündigte etwa an, sie wolle sich mit dem republikanischen Abgeordneten Thomas Massie zusammenschließen, um ein Gesetz zu unterstützen, das die Freigabe der Epstein-Akten fordert. „Ich bin stolz darauf, die Entlastungspetition zu unterstützen und werde sie unterschreiben“, schrieb die Republikanerin auf X. „Ich werde niemals Pädophile oder die Eliten und ihre Kreise schützen.“
Auch die republikanische Abgeordnete und Trump-Unterstützerin Lauren Boebert forderte in einem Post: „Das amerikanische Volk verdient es, die Wahrheit zu erfahren, und kann damit umgehen. Lasst uns die Akten ansehen.“ Dabei teilte Boebert ebenso Thomas Massies angekündigten Antrag, der eine Abstimmung im Repräsentantenhaus zur Freigabe der vollständigen Akten erzwingen will.
Eine weitere einflussreiche Figur der MAGA-Bewegung: Michael T. Flynn. Trumps ehemaliger nationaler Sicherheitsberater rief den US-Präsidenten bezogen auf die Epstein-Akten ebenfalls zum Handeln auf und deutete an, dass es eine weitreichende Verschwörung geben könnte, in die Epstein und die Regierung verwickelt sind. In seinem Post richtete er sich direkt an Donald Trump.
Der Fall Epstein und Donald Trump: Worum es geht
Der Fall Epstein verknüpft schwerste Sexualverbrechen mit den obersten Kreisen der amerikanischen Elite. Videos zeigen auch Epstein und Trump gemeinsam beim Feiern. 2019 distanzierte sich Trump als Präsident von Epstein und erklärte, nichts vom Missbrauch gewusst zu haben. Epstein bezeichnete Trump laut Journalist Michael Wolff später als seinen ehemals „besten Freund“ und erhob schwere, aber unbelegte Vorwürfe.
Trump zweifelte später wiederholt öffentlich an der Suizid-Version von Epsteins Tod – obwohl er als US-Präsident Zugang zu allen Ermittlungsergebnissen hatte. Vor der US-Wahl 2024 zeigte der Republikaner sich grundsätzlich offen für eine Freigabe der Akten, was viele Verschwörungstheoretiker in seiner Anhängerschaft begeisterte.
Trumps Abwehr-Strategie: US-Präsident macht in Debatte um Epstein-Akten Demokraten verantwortlich
Dass Trump als Präsident mit Kash Patel und Dan Bongino zwei Anhänger unbelegter Theorien an die Spitze des FBI berief, wurde hierbei als Signal gewertet. Dann jedoch die Kehrtwende: Patel und Bongino bestätigten die offizielle Version vom Suizid – die Epstein-Akten würden nicht freigegeben.
Trump versucht nun, den Widerstand in den eigenen Reihen niederzuschlagen. Seine altbekannte Taktik: Die Demokraten seien schuld. Erfolgreich ist der US-Präsident damit offenbar nicht. Kritiker spekulieren, die Trump-Administration könnte etwas zu verbergen haben; der Druck auf Trump aus dem MAGA-Lager bleibt. (pav/dpa)
Rubriklistenbild: © IMAGO/Aaron Schwartz
