„Ewiges Eis“ in Gefahr?

Schelfeis in Grönland verliert an Volumen – mit dramatischen Folgen für den Meeresspiegel

Unsere Meere heizen sich auf. So schmelzen Grönlands Gletscher weiter. Eine neue Studie zeigt, wie die Lage ist.

München – Lange Zeit waren sich Wissenschaftler einig, die Gletscher und das Eis in Nordgrönland seien stabil. Die Schelfeise – große, auf dem Wasser schwimmende Eisplatten – in der Region haben seit 1978 jedoch mehr als ein Drittel ihres Volumens verloren. Das zeigt eine neue Studie in der Fachzeitschrift Nature Communications. Grund dafür seien die steigenden Temperaturen. Hält diese Schmelze weiter an, kann das laut den Verfassern der Studie „dramatische Folgen“ für den Anstieg des Meeresspiegels haben. Denn die Gletscher Nordgrönlands bestehen aus genügend Eis, dass der Meeresspiegel um 2,1 Meter ansteigen kann.

Basierend auf der Auswertung von Satellitenbildern und Klimamodellen kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass die Schelfeise im Norden Grönlands seit 1978 „mehr als 35 Prozent ihres Gesamtvolumens“ verloren hätten. Drei der Schelfeise in der Region seien bereits „vollständig zusammengebrochen“, so die Wissenschaftler. Bei den verbleibenden Schelfeisen sei außerdem ein wachsender Verlust der Eismasse zu beobachten.

Die Gletscher schmelzen – So verändert der Klimawandel die Erde

Die Erde erwärmt sich, die Gletscher schmelzen. Links zu sehen ist der Okjökull-Gletscher auf dem Gipfel des Vulkans Ok auf Island im September 1986. Im August 2019 (rechtes Bild) ist von dem einstigen Gletscher nur noch ein kleiner Eisfleck übrig geblieben.
„Zieht die Notbremse“ steht auf dem Schild, das ein Mädchen in Island trägt. Sie ist unterwegs zu einer Gedenkveranstaltung für den früheren Gletscher Okjökull. Forschende zeigen immer wieder, dass die Zeit drängt: Die Eismassen der Erde schmelzen immer schneller, der Meeresspiegel steigt und die Ozeane werden warm und sauer.
Wichtige Gletscherteile des Titlisgletschers werden vor dem Sommer 2018 mit Vlies bedeckt, um sie in den warmen Sommermonaten vor dem Schmelzen zu schützen. Rund 6000 Quadratmeter Vlies sollen bis zum Herbst die Eishöhe von bis zu anderthalb Metern schützen.
Der Nevado Huascarán ist mit 6768 Metern der höchste Berg Perus. Das Eis am Gipfel des Bergs ist tausend Jahre alt und soll Forschenden Informationen rund um den Klimawandel liefern. Bei einer Expedition im Jahr 2019 wurden Eisproben entnommen.
Die Gletscher schmelzen – So verändert der Klimawandel die Erde

Laut Studie: Erwärmung der Ozeane lässt Schelfeis in Nordgrönland schmelzen

Dafür macht die Studie insbesondere die Erwärmung der Ozeane verantwortlich. „Der beobachtete Anstieg des Abschmelzens geht mit einem deutlichen Anstieg der potenziellen Ozeantemperatur einher, was auf eine starke ozeanische Kontrolle über die Veränderungen des Eisschelfs hindeutet“, so die Verfasser der Studie. Für die in diesem Sektor noch verbliebenen Schelfeise könne eine „anhaltende Phase der Abschwächung“ festgestellt werden, heißt es weiter.

Das sogenannte Basalschmelzen – das Abschmelzen des Eises von unten – kann laut der Studie eine „komplexe und entscheidende Rolle bei der Ausdünnung des Schelfeises von unten“ spielen. Dadurch kann das Eis viel schneller brechen. Die Erwärmung des Ozeans, heißt es in der Studie, werde im kommenden Jahrhundert wahrscheinlich weiter zunehmen.

In Grönland gibt es das „ewige Eis“ – das unter dem Klimawandel leidet. (Archivbild)

Weltorganisation für Meteorologie prognostiziert für unseren Planeten wärmstes Jahr überhaupt

Die global steigenden Temperaturen führen dazu, dass Gletscher und Eisschilde schneller schmelzen, als sich neues Eis und Schnee bilden können – vor allem in den Ozeanen. Denn die Meere absorbieren 90 Prozent der Erwärmung auf unserem Planeten, berichtet der Nachrichtensender CBS News. Demnach werde der Rückgang des Eises sowohl durch wärmere Luft als auch durch wärmeres Meerwasser beschleunigt.

Die Weltorganisation für Meteorologie hatte zu Beginn des Jahres 2023 prognostiziert, dass die Erde in mindestens einem der kommenden fünf Jahre ihr heißestes Jahr überhaupt erleben wird. Wie CBS News berichtet, könnte sich die Erde in schlimmsten Fall um weitere 1,5 Grad Celsius erwärmen. (phf)

Rubriklistenbild: © IMAGO/UIG

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