Kulturerbe ohne Gedränge

Keine Touristen-Massen: Diese 15 unterschätzten Kulturziele sind noch echte Geheimtipps

The Silent City of Mdina, Malta
1 von 15
Malta – Mit gerade einmal 6.000 Einwohnern ist Valletta die kleinste EU-Hauptstadt und gleichzeitig eine der dichtesten Sammlungen barocker Architektur weltweit: Ritterpaläste, prächtige Kirchen und Festungsanlagen der Johanniter aus dem 16. Jahrhundert prägen jede Gasse der UNESCO-geschützten Stadt. In der Inselmitte liegt Mdina, die „Stille Stadt“, mit ihren normannischen Kathedralen und mittelalterlichen Stadtmauern aus goldenem Kalkstein, in der gerade einmal ein paar Hundert Menschen leben. Wer abends durch die menschenleeren Gassen streift, erlebt eine Atmosphäre, die kaum ein anderer Ort in Europa noch bieten kann.
Nardo, a Baroque Apulian City in the Province of Lecce View of Piazza Salandra, The main Square in Nardo. Nardo Italien
2 von 15
Lecce, Italien – Lecce im Absatz des italienischen Stiefels wird nicht ohne Grund das „Florenz des Südens“ genannt: Die Altstadt ist ein zusammenhängendes Ensemble barocker Prachtbauten aus dem weichen, goldgelben Lecce-Stein, der den Baumeistern des 17. Jahrhunderts erlaubte, Fassaden mit einer Fülle an Ornamenten, Engeln und Fratzen zu versehen, die anderswo ihresgleichen sucht. Kirchen, Paläste und Plätze reihen sich hier so dicht aneinander, dass man stundenlang durch die Altstadt schlendern kann, ohne dasselbe Motiv zweimal zu sehen. Verglichen mit Rom oder Florenz ist Lecce touristisch noch erstaunlich unentdeckt.
Weltkulturerbe und Europäische Kulturhauptstadt 2019: Matera in Basilikata.
3 von 15
Matera, Italien – Matera in der süditalienischen Basilicata gehört zu den ältesten bewohnten Städten der Welt: Die sogenannten Sassi – in den Fels gehauene Höhlenwohnungen, die seit der Steinzeit genutzt werden – sind UNESCO-Weltkulturerbe und eines der spektakulärsten Stadtbilder Italiens überhaupt. Lange als „Schande Italiens“ verfemt und zwangsgeräumt, erlebt die Stadt seit ihrer Zeit als Europäische Kulturhauptstadt 2019 eine bemerkenswerte Renaissance. Verglichen mit Florenz oder Neapel ist es hier noch erfreulich ruhig.
Aerial view of the old town of Kotor, Montenegro. Bay of Kotor bay is one of the most beautiful places on Adriatic Sea.
4 von 15
Kotor, Montenegro – Kotor liegt wie hineingebettet in eine dramatische Bucht, umgeben von Karstklippen und venezianischen Stadtmauern, die sich die steilen Berghänge hinaufschlängeln. Die mittelalterliche Altstadt mit ihren Kathedralen, Palästen und verwinkelten Gassen ist UNESCO-Weltkulturerbe – und wer den schweißtreibenden Aufstieg zur Festung San Giovanni auf sich nimmt, wird mit einem der schönsten Panoramen der gesamten Adria belohnt. Verglichen mit den überlaufenen Küstenorten Kroatiens ist Kotor noch weit von Massentourismus entfernt.
Römisches Amphitheater in Plowdiw
5 von 15
Plowdiw, Bulgarien – Plowdiw ist eine der ältesten kontinuierlich bewohnten Städte der Welt, älter als Rom oder Athen, und wartet mit einem historischen Zentrum auf, das kaum jemand auf dem Radar hat. Thrakische Ruinen, ein gut erhaltenes römisches Amphitheater, osmanische Moscheen und farbenprächtige Bürgerhäuser aus dem 19. Jahrhundert stehen in dieser bulgarischen Stadt auf engstem Raum zusammen. Als Europäische Kulturhauptstadt 2019 hat Plovdiv zudem eine lebhafte zeitgenössische Kunstszene entwickelt, die die historische Architektur mit neuem Leben füllt.
Aerial view of Tallinn old town medieval cityscape landmark Estonia Estland
6 von 15
Tallinn, Estland – Tallinns Altstadt gehört zu den am vollständigsten erhaltenen mittelalterlichen Stadtkernen Nordeuropas: Türme, Tore und Kopfsteinpflaster aus dem 13. bis 15. Jahrhundert sind so makellos erhalten, dass man meint, eine Filmkulisse zu betreten. Hinter dieser hanseatischen Fassade steckt jedoch echtes Leben – die estnische Hauptstadt gilt als eine der innovativsten Digitalnationen der Welt und verbindet mittelalterliches Erbe mit einer pulsierenden modernen Kultur. Im Winter, wenn der Weihnachtsmarkt auf dem Rathausplatz leuchtet, erreicht die Atmosphäre eine ganz eigene Magie.
Riga, Hauptstadt von Lettland winterliche Aufnahme der Stadtkulisse
7 von 15
Riga, Lettland – Riga besitzt die größte Sammlung an Jugendstilarchitektur weltweit, mehr als Wien oder Barcelona. Rund ein Drittel aller Gebäude im Stadtzentrum stammt aus der Blütezeit des Art Nouveau zwischen 1890 und 1914, als lettische Architekten mit floralen Fassaden, Frauenmasken und organischen Formen experimentierten. Die mittelalterliche Altstadt ist zusätzlich UNESCO-Weltkulturerbe, und der Zentralmarkt in fünf umgebauten Zeppelin-Hangars ist eine Sehenswürdigkeit ganz eigener Art.
Liegt friedlich am Fluss Neris: die litauische Hauptstadt Vilnius.
8 von 15
Vilnius, Litauen – Vilnius ist vielleicht die am meisten unterschätzte Barockstadt Europas: Ein UNESCO-geschützter Altstadtkern mit über 65 Kirchen und einer Dichte barocker Architektur, die selbst Kenner überrascht. Die litauische Hauptstadt trägt viele historische Schichten in sich – polnisch, russisch, sowjetisch und jüdisch geprägt zugleich – und all das lässt sich in der Architektur und den Stadtvierteln bis heute ablesen. Dazu kommt Užupis, ein selbsternannter Stadtteil-Staat mit eigener Verfassung und einer pulsierenden Kunstszene.
Panoramablick auf die Stadt Piran an der Adriaküste, Küstenlinie von Slowenien
9 von 15
Piran, Slowenien – Piran an der slowenischen Adriaküste ist eine der am vollständigsten erhaltenen venezianischen Altstädte überhaupt: Enge Gassen, gotische Palazzi, ein malerischer Domplatz und mittelalterliche Stadtmauern erinnern auf Schritt und Tritt daran, dass diese Stadt über Jahrhunderte unter dem Einfluss der Serenissima stand. Trotzdem ist Piran noch ein kleiner Geheimtipp – überschaubar, authentisch und mit einer Atmosphäre, die besonders in den Abendstunden fast unwirklich schön ist. Wer die venezianische Architektur liebt, aber Venedig selbst meidet, findet hier einen der stimmungsvollsten Orte der gesamten Adria.
 Historic religious architecture against a clear blue sky in Banska Stiavnica, Slovakia Slowakei
10 von 15
Banská Štiavnica, Slowakei – Banská Štiavnica war im 18. Jahrhundert eine der bedeutendsten Städte des Habsburgerreichs, Sitz der ersten Bergbauakademie der Welt und Zentrum des europäischen Silber- und Goldbergbaus. Das außergewöhnlich gut erhaltene Ensemble aus Bürgerhäusern, zwei Burganlagen, Barockkirchen und historischen Bergwerksschächten ist UNESCO-Weltkulturerbe und erzählt von einem Reichtum und einer Ingenieurskultur, die heute kaum noch jemand mit der Slowakei verbindet. International ist die Stadt so gut wie unbekannt – was einen Besuch umso lohnender macht.
  • Nadja Spielvogel
    VonNadja Spielvogel
    schließen

Nicht jedes Kulturwunder liegt am anderen Ende der Welt. Viele der bedeutendsten Altstädte, Ruinenstätten und Barockensembles sind in wenigen Stunden erreichbar.

Zwischen Antike und Moderne: Was Kulturreisen ausmacht

Wer Kulturreisen mag, denkt zuerst an die großen Namen: Rom, Paris, Barcelona. Dabei liegen einige der eindrucksvollsten Kulturdenkmäler an Orten, die in den meisten Reiseplänen gar nicht auftauchen. Matera in der süditalienischen Basilicata etwa ist eine der ältesten bewohnten Städte der Erde – ihre in den Fels gehauenen Höhlenwohnungen, die sogenannten Sassi, wurden jahrtausendlang genutzt und sind heute UNESCO-Weltkulturerbe. Ähnlich verhält es sich mit Plowdiw in Bulgarien, das älter ist als Rom oder Athen, und dennoch kaum jemand auf dem Reisezettel hat. Auch Malta überrascht neben Mittelmeerstränden mit geschichtsträchtiger Architektur.

Weltkulturerbe, das noch Platz zum Atmen lässt

Ein zentrales Argument für weniger bekannte Reiseziele ist das Erlebnis selbst: Wer durch die Ruinenstadt Dougga im tunesischen Hinterland streift, steht dort oft allein zwischen gut erhaltenen Theatern, Thermen und einem Kapitol, das an die große Zeit des Römischen Reichs erinnert. In Ephesus oder Pompeji ist das längst nicht mehr möglich. Ähnliches gilt für die Altstadt von Prizren im Kosovo, wo osmanische Brücken, Moscheen und orthodoxe Klöster auf engstem Raum erzählen, wie viele Kulturen auf dem Balkan über Jahrhunderte nebeneinander existiert haben. Oder für Tbilisi, dessen Altstadt persische, osmanische, russische und sowjetische Architekturschichten zu einem Stadtbild vereint, das sich von keiner anderen europäischen Metropole ableiten lässt. Auch diese unterschätzten Ziele sind von Deutschland aus schnell zu erreichen.

Ungewöhnliche Tiere in Deutschland – so wild geht es vor Ihrer Haustür zu

europäische sumpfschildkröte, emys orbicularis, schildkröte,schildkröten, sumpfschildkröte, sumpfschildkröten, wasserschildkröte
Bachneunauge Lampetra planeri Querder, Deutschland
Es gibt in Deutschland sogar einige wenige Elche
Gefleckte Kamelhalsfliege, Phaeostigma notata, Spotted Snakefly, Niedersachsen, Deutschland Spotted camel neckfly
Ungewöhnliche Tiere in Deutschland – so wild geht es vor Ihrer Haustür zu

Kulturerbe vor der Haustür: Europa hat mehr zu bieten als gedacht

Viele dieser Reiseziele sind dabei gar nicht weit entfernt. Riga besitzt die größte Sammlung an Jugendstilarchitektur weltweit, während Vilnius als eine der bedeutendsten Barockstädte Europas gilt. Lecce im Süden Italiens zeigt mit seinen reich verzierten Barockfassaden aus goldenem Naturstein, was Baumeister des 17. Jahrhunderts leisteten, wenn Material und Auftraggeber es zuließen. All diese Städte sind in wenigen Stunden erreichbar – und touristisch noch so ruhig, dass man sie wirklich wahrnehmen kann, ohne sich durch Besuchermassen zu kämpfen. Kulturreisen müssen mit dem richtigen Ziel also weder teuer noch weit entfernt sein.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Zoonar.com/Dalibor Brlek

Kommentare