Dr. Gerd Wirtz erklärt

Warum Intervallfasten für Frauen besser mit 12 statt 16 Stunden funktioniert

Eine Frau sitzt im Bett und trinkt Wasser.
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Statt sofort zu essen, trinken viele beim Intervallfasten morgens erst Wasser.

16:8-Intervallfasten funktioniert nicht für jeden. Fasten-Experte Dr. Gerd Wirtz verrät, warum Frauen eine Alternative wählen sollten.

Der Magen knurrt, die Konzentration schwindet, aber die Uhr zeigt erst 11:30 Uhr. Noch eine halbe Stunde bis zum ersten Biss nach 16 Stunden Intervallfasten. Was als vermeintlich einfacher Weg zu mehr Gesundheit gedacht ist, kann besonders für Frauen zur täglichen Herausforderung werden. Warum das Problem nicht am mangelnden Willen, sondern an überholten Regeln liegt, erklärt Neurophysiologe Dr. Gerd Wirtz im Gespräch.

Warum junge Frauen anders fasten sollten

Die 16:8-Methode – 16 Stunden fasten, 8 Stunden Zeit zum Essen – gilt als Standard des Intervallfastens. Doch: „16:8 wird inzwischen nicht mehr so strikt gesehen, weil besonders junge Frauen im gebärfähigen Alter einen etwas anderen Energiebedarf haben“, erklärt Wirtz. Für sie könnten 16 Stunden Fasten zu lange sein. Besonders Frauen mit ihrem komplexen Hormonhaushalt sollten behutsamer herangehen.

Wirtz empfiehlt diesen Frauen einen sanfteren Einstieg: „12 Stunden Fasten sind durchaus gut, aber bevor sie dann in die Aktivitäten des Tages einsteigen, ist es sinnvoll, wenn sie etwas Nahrung zu sich nehmen.“ Eine Tasse Kaffee mit Mandelmilch sei beispielsweise besser als mit Vollmilch – viel Protein, wenig einfache Kohlenhydrate.

Körpereigene Müllabfuhr braucht Zeit

Der Schlüssel zum Verständnis liegt in einem Prozess namens Autophagie, also der körpereigenen Zellerneuerung. „Unser Körper funktioniert wie ein Unternehmen mit ständigem Materialfluss, das dabei auch Abfall produziert. Der Körper hat seine eigene Müllabfuhr – sogar eine Art Recycling-System“.

Diese zelluläre Reinigung beginnt erst nach etwa zehn Stunden Nahrungspause. „Wenn ich zwölf Stunden faste, dann habe ich schon zwei Stunden, in denen diese Müllabfuhr gut arbeiten kann. Wenn ich 14 Stunden faste, arbeitet sie vier Stunden“, rechnet der Neurophysiologe vor. Schon 12 bis 14 Stunden täglich reichen aus, um die gewünschten Effekte zu erzielen.

Zur Person

Dr. Gerd Wirtz ist Neurophysiologe, Medizinmoderator, Bestsellerautor und KeynoteSpeaker. Er gilt als einer der führenden Experten für Digital Health und Longevity. In Seminaren sowie Coachings vermittelt er wissenschaftlich fundierte Strategien, um Gesundheit zu erhalten, die Lebensspanne zu verlängern sowie die Lebensqualität zu steigern. Sein aktuelles Buch „Der Longevity Kompass“ bietet praxisnahe Tipps für ein langes, gesundes Leben.

Sanfter Einstieg in die Fastenzeit ermöglicht Erfolg

Gerade für Frauen ist ein behutsamer Start entscheidend. Statt sofort mit 16 Stunden zu beginnen, empfiehlt Wirtz einen schrittweisen Aufbau. „In der Nacht fasten wir automatisch 7 bis 8 Stunden, ohne dass wir uns anstrengen müssen“, erklärt er seinen Ansatz. Am ersten Tag wartet man eine halbe Stunde länger mit dem Frühstück, dann verlängert man alle paar Tage um weitere 15 bis 30 Minuten.

„Wenn wir Schritt für Schritt diese Fastenphase um eine Viertelstunde oder halbe Stunde verlängern, ist die Hürde nicht so groß.“ So erreichen Frauen schnell die für sie optimalen 12 bis 14 Stunden – und das sei bereits sehr gut für die gewünschten Gesundheitseffekte.

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Flexibilität statt Dogma beim Fasten

Intervallfasten darf nicht zum starren Korsett werden. Wirtz ermutigt sogar zu bewussten Ausnahmen: „Man kann sich auch entspannt ein, zwei Ausnahmetage pro Woche gönnen. Wenn Sie sagen, am Wochenende verzichte ich auf das Intervallfasten, aber dafür halte ich es fünf Tage die Woche konsequent durch, dann ist das gut, sehr gut.“

Diese Flexibilität macht das Fasten sozial verträglich und nachhaltig. Wer abends länger mit Freunden isst, verlängert einfach am nächsten Tag die Fastenzeit entsprechend.

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