Serie Bodycheck, Teil 2
Trapezmuskel kräftigen: Top-Übungen mit und ohne Geräte
Ein kraftvoller Trapezmuskel ist für alltägliche Bewegungen von unschätzbarem Nutzen. Hier erfahren Sie mehr über die Anatomie und erhalten wichtige Trainings-Tipps.
Egal, ob beim Werfen, Klettern, oder im Alltag beim Gardinenaufhängen: Ohne einen intakten Trapezmuskel bleibt uns der Griff nach oben verwehrt. Aber der Trapezmuskel kann noch mehr: Neben dem Heben der Arme sorgt er auch für Stabilität und Schutz Ihrer Schultern. Beim Tragen schwerer Lasten – seien es Einkaufstüten, Koffer oder Gewichtsstangen im Fitnessstudio – positioniert der Trapezmuskel das Schulterblatt optimal, um Verspannungen und Verletzungen zu vermeiden.
Warum jeder den Trapezmuskel kennen sollte
Viele Muskelgruppen bekommen mehr Aufmerksamkeit – vom Bizeps bis zum Po. Doch hinter jeder funktionalen Bewegung des Oberkörpers steht der Trapezmuskel! Wer diesen trainiert und pflegt, kann nicht nur kraftvoller und beweglicher werden, sondern reduziert auch das Risiko für Schulterprobleme, Haltungsschäden und muskuläre Dysbalancen.
Anatomie: Wo der Musculus trapezius verläuft
Der Trapezmuskel befindet sich großflächig im oberen Rückenbereich. Die trapezförmige Form gab ihm seinen Namen – der deutsche Begriff Kapuzenmuskel zeichnet sich durch seine Alltagsassoziation aus, denn er liegt wie eine Kapuze auf dem Schultergürtel im oberen Rückenbereich.
Betrachtet man die Anatomie genauer, lässt sich der Trapezmuskel in drei Anteile gliedern:
- Absteigender Anteil (Pars descendens) von der Hinterhauptrauhigkeit sowie den Dornfortsätzen des 1. bis 6. Halswirbels (Ursprung) und zum äußeren Drittel des Schlüsselbeins und der Schulterhöhe (Ansatz)
- Quer verlaufender Anteil (Pars transversa) von den Dornfortsätzen des 7. Halswirbels und 1. bis 3. Brustwirbels (Ursprung) zum äußeren Teil der Schulterblattgräte (Ansatz)
- Aufsteigender Anteil (Pars ascendens) von den Dornfortsätzen des 3. bis 12. Halswirbels (Ursprung) zum inneren Drittel der Schulterblattgräte
Die unterschiedlichen Anteile des Trapezmuskels erfüllen dementsprechenden unterschiedliche Funktionen.
Kurz-Definition Trapezmuskel
Der Trapezmuskel ist ein großer, trapezförmiger Muskel im oberen Rücken, der die Beweglichkeit und Stabilität der Schultern sicherstellt. Er besteht aus drei Teilen: einem oberen (für das Heben der Schulterblätter), einem mittleren (für die Zugbewegung der Schulterblätter zur Wirbelsäule) und einem unteren Teil (für das Senken der Schulterblätter).
Welche Funktion hat der Trapezmuskel?
Die Hauptfunktion des Trapezmuskels ist das Heben sowie die Außenrotation des Schulterblatts. Das macht ihn entscheidend für das Heben der Arme über die Horizontale. Diese Funktion übernimmt vor allem der absteigende Anteil des Kapuzenmuskels.
Das Anspannen aller drei Teile des Trapezmuskels stabilisiert das Schulterblatt (Fixierung der Skapula). Der quer verlaufende Anteil zieht die Schulterblätter zur Wirbelsäule, der aufsteigende Anteil zieht sie nach unten. Interessanterweise agiert der Trapezmuskel also je nach Bewegungsrichtung sowohl als Unterstützer (Synergist) als auch als Gegenspieler (Antagonist).
Welche Vorteile hat ein top-trainierter Trapezmuskel?
- Optimale Armfunktion: Ein gut trainierter Trapezmuskel sorgt für eine reibungslose Koordination von Schulterblatt und Arm. Ohne ihn wäre das Heben der Arme über die Horizontale kaum effizient möglich.
- Schulterstabilität: Ein starker Trapezmuskel stabilisiert die Schultern und schützt vor Überlastungserscheinungen – egal ob beim Sport, im Beruf oder im Alltag.
- Erhöhte Tragkraft: Beim Tragen schwerer Lasten hängt die richtige Schulterblatt-Positionierung zentral vom Trapezmuskel ab. Starke „Traps“ verteilen die Belastung ideal und schützen so vor Rückenschmerzen.
- Ästhetik: Wer auf einen starken, durchtrainierten oberen Rücken setzt, wird schnell feststellen, wie sehr sich ein definierter Trapezmuskel visuell bemerkbar macht – die Kapuzenform steht für Athletik.
Verwendete Quellen
Die Autorin Alexandra Grauvogl hat die Fitnesstrainer B-Lizenz an der IST-Hochschule gemacht. Als wissenschaftliche Grundlage für diesen Text stützt sie sich vorwiegend auf Studien-Unterlagen der Ausbildung. Darunter:
- Dr. med. Ulrich Maschke/Angelika Görs: Anatomie (2017)
- Michael Lauterbach: Trainings- und Bewegungslehre (2020)
Die besten Übungen für den Trapezmuskel
Achtung! Hier handelt es sich um allgemeine Trainingsempfehlungen. Vor Aufnahme eines Trainingsprogramms sollten Sie mit Ihrem Arzt/Ihrer Ärztin individuelle Risiken abklären und sich von fachkundigem Trainingspersonal in passende Übungen einweisen lassen.
1. Ohne Geräte: Ellbogenpresse in den Boden
- Ziel: Aktivierung des unteren Trapezmuskels.
- Beschreibung: Legen Sie sich auf den Rücken, drücken Sie die Ellenbogen in den Boden und versuchen Sie, die Schultern leicht anzuheben. Diese einfache Übung ist besonders effektiv für Anfänger.
Weitere Trapezmuskel-Übungen ohne Geräte: Hängendes Rudern (Inverted Row) am Geländer
2. Am Gerät: Reverse Butterfly (Maschine)
- Ziel: Training des quer verlaufenden Anteils des Trapezanteils.
- Beschreibung: Setzen Sie sich an eine Reverse-Butterfly-Maschine. Ziehen Sie die Griffe nach außen und hinten zusammen, um die Schulterblätter zur Wirbelsäule zu führen.
Weitere Trapezmuskel-Übungen am Gerät: Rudern im Sitzen, T-Bar-Rudern an der Maschine, Schulterheben am Shrug-Gerät oder der Multipresse
3. Mit freien Gewichten: Shrugs mit Kurzhanteln
- Ziel: Kräftigung des absteigenden Anteils des Trapezmuskels
- Beschreibung: Nehmen Sie zwei Hanteln in die Hände, stehen Sie aufrecht und ziehen Sie die Schultern nach oben in Richtung Ohren. Halten Sie die Endposition kurz und lassen Sie die Schultern kontrolliert wieder ab.
Weitere Trapezmuskel-Übungen mit freien Gewichten: Vorgebeugtes Rudern mit Langhantel im Kammgriff/eng oder Obergriff/breit; T-Bar-Rudern mit Langhantel, Aufrechtes Rudern mit SZ-Stange, Shrugs mit Langhantel
4. Am Seilzug: Reverse Flys überkreuz am Kabelzug
- Ziel: Fokussiert den quer verlaufenden Anteil des Trapezmuskels sowie Teile des Deltamuskels und die Rhomboideen.
- Beschreibung: Stellen Sie sich zwischen zwei Kabelzüge und kreuzen Sie die Seile vor Ihrem Körper. Ziehen Sie sie mit langen, leicht gebeugten Armen nach außen und achten Sie dabei auf eine stabile Haltung.
Weitere Trapezmuskel-Übungen am Kabelzug: Aufrechtes Rudern, Rudern im Sitzen
Trapezmuskel dehnen und mobilisieren
Ein starker Trapezmuskel ist wie oben beschrieben entscheidend an mehreren wichtigen Körperfunktionen beteiligt. Dabei sollte nicht vergessen werden, den Muskel nicht nur zu kräftigen, sondern auch zu mobilisieren und zu dehnen. Vor allem der absteigende Anteil von der Hinterhauptrauhgkeit und den Halswirbeln abwärts neigt zur Verkürzung. Dem gilt es, durch gezieltes Dehnen entgegenzuwirken.
Ein hoher Muskeltonus und eingeschränkte Beweglichkeit des Trapezmuskels begünstigen außerdem Verspannungen im Schulter- und Nackenbereich sowie Spannungskopfschmerzen. Auch hier können Stretching und Mobilisation helfen.
Dehnübungen für den Musculus trapezius:
- Ziel: Beweglichkeit und Muskelregeneration
- Anleitung: 1) Ziehen Sie die gestreckten Arme nach vorne; Machen Sie dabei den oberen Rücken bzw. den Schultergürtel rund; Halten Sie diese Position. 2) Drehen Sie den Kopf um ca. 45 Grad nach links und neigen Sie den Kopf zur rechten Seite; Unterstützen Sie die Dehnung, wenn nötig, durch die rechte Hand auf dem Kopf; Halten Sie die Position; Wechseln Sie die Seite 3) Mit dem Rücken zu einer Tischkante stellen und die Hände aufstützen; Lassen Sie sich mit gestreckten Armen in die Schultern sinken; Position halten
Halten Sie die Positionen für circa 15-30 Sekunden und wiederholen Sie jede Übung 2 bis 3 Mal.
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Die Autorin ist ehemalige Leistungssportlerin, geprüfte Skilehrerin und Fitnesstrainerin.





