Hamm hbf
Nach 100 Jahren: Deutsche Bahn will historische Bahnsteigdächer abreißen
Neubau statt Sanierung: Die Deutsche Bahn will die historischen Bahnsteigdächer am Hauptbahnhof Hamm abreißen. Doch eine Frage ist noch offen.
Hamm – Die Bahnsteige des Hammer Hauptbahnhofs haben gut 100 Jahre hinter sich – und sind entsprechend sanierungsbedürftig. Die Deutsche Bahn und der Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) hatten deshalb im vergangenen Jahr eine millionenschwere Aufwertung angekündigt. Doch jetzt hat die Bahn den Plan geändert: Die historischen Bahnsteigdächer sollen abgerissen und durch Neubauten ersetzt werden.
Historische Bahnsteigdächer am Hauptbahnhof Hamm sollen abgerissen werden
44 Millionen Euro wollen Bahn und NWL nach Angaben aus dem vergangenen Jahr in die Aufwertung des Hauptbahnhofs stecken. Ab 2025 sollte nach damaligem Stand Baurecht vorliegen. Zum Programm gehören neue Böden, Beleuchtung und Anzeigetafeln; die alten Aufenthaltsräume und Gepäckaufzüge sollten abgebaut werden.
Bei den Überdachungen favorisierte der NWL aus finanziellen Gründen zunächst eine Sanierung. Außerdem war man sich nicht sicher, ob die Bahn die Dächer nach einem Abriss auf ganzer Länge neu errichten würde. Der Staatskonzern hatte damals schon mit einem Neubau geliebäugelt und sich inzwischen dafür entschieden. Das geht aus NWL-Unterlagen hervor; die Bahn selbst ließ eine Anfrage von wa.de unbeantwortet.
Sind Dächer denkmalwert? Frage bislang ungeklärt
Dem NWL zufolge hat die Bahn inzwischen Wege gefunden, Abriss und Neubau über ein Projekt der DB-Infrastrukturgesellschaft Infrago zu finanzieren. Für den NWL entstünden damit in Sachen Dächer keine Kosten. Allerdings wird das gesamte Sanierungspaket 2,1 Millionen Euro teurer als geplant – und auf dem Geld bleibt der Verband dann doch sitzen.
Ungeklärt ist allerdings noch die Frage, ob die Bahnsteigdächer denkmalwert sind. Auch hier antworte die Bahn nicht auf eine Anfrage von wa.de. Die Stadt als Untere Denkmalbörde teilte mit, nur das Empfangsgebäude stehe unter Denkmalschutz, man behalte das Thema aber im Blick.
Die Bahnsteige waren zwischen 1920 und 1925 in Betrieb genommen worden. Die Überdachungen lieferte damals die traditionsreiche Bochumer Maschinenfabrik Gröppel, die zuvor auch beim Bau der Zeche Sachen tätig war. Das Dach ruht dabei auf genieteten T-Trägern, die immerhin 100 Jahre gehalten haben.
