Aktionsplan veröffentlicht

Konkrete Punkte und Kosten: So will Hamm zum Klimaschutz beitragen

Verwaltungsspitze und große Koalition stellten den Klimaaktionsplan vor.
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Verwaltungsspitze und große Koalition stellten den Klimaaktionsplan vor.

Fünf Monate nachdem die Stadt Hamm den Klimanotstand ausgerufen hat, liegt nun ein Aktionsplan auf dem Tisch. Auf 90 Seiten hat die Verwaltung Maßnahmen und Konzepte zum Klimaschutz zusammengestellt.

Hamm – Mit fünf Handlungsfeldern will die Verwaltung dem Klimawandel begegnen und dafür sorgen, dass spätestens ab 2035 in Hamm nicht mehr CO2 und andere Klimagase in die Umwelt entlassen werden, als diese das ohne Schaden vertragen kann. Der Plan wurde von Verwaltungsvorstand und Vertretern der großen Koalition vorgestellt. „Anreize statt Verbote“, das zieht sich wie ein roter Faden durch den Aktionsplan.

Nach ersten Schätzungen kosten die gesamten Maßnahmen rund 100 Millionen Euro. Die Summe umfasst Maßnahmen im Zeitraum 2016 bis 2025 – auch die Lippeaue. Finanziert werden sie vom Steuerzahler durch Bund-, Land- und EU-Mittel. Der städtische Eigenanteil liegt bei rund 8 Millionen Euro.

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Land- und- Forstwirtschaft

Wälder haben eine große Bedeutung für den Klimaschutz. Sie sind CO2-Speicher und funktionieren gleichzeitig wie große Klimaanlagen. Künftig soll es in Hamm mehr Waldflächen geben, ein Stadtförster soll eingestellt werden. Die Waldflächen sollen sich in Hamm um mindestens drei Hektar pro Jahr erhöhen. Am Pilsholz sollen 2020 ein Klimawald entstehen und 1500 Bäume gepflanzt werden. Teil dieses Handlungsfeldes ist auch der Erlebensraum Lippeaue.

Daneben sollen Moore auf geeigneten Flächen renaturiert werden, die als Kohlenstoffspeicher eine wichtige Rolle beim Klimaschutz spielen. Dazu kommen Blühwiesen und Blühstreifen, die entlang von Verkehrswegen angelegt werden und zur Artenvielfalt der Flora und Fauna beitragen sollen. Auf dem DuPont-Gelände will die Stadt 250.000 Quadratmeter erwerben und für den Naturschutz sichern.

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Bauen, Planen, Wohnen, Leben

Bei der Quartiersentwicklung will die Stadt Hamm auf energetische, ökologische und klimaschonende Standards setzen. Im ganzen Stadtgebiet soll die energetische Sanierung von Wohngebäuden vorangetrieben werden. Zudem soll ein Klima-Quartier entwickelt werden mit Zielen und Ansprüchen, die über den Standards liegen.

Mobilität und Verkehr

Verwaltung und große Koalition sind sich sicher: Der Verkehr von morgen wird einen erheblichen Wandel erfahren. Ein Masterplan Mobilität beschreibt ab 2021 eine Neuaufteilung der Verkehrsräume. Das beinhaltet auch den Ausbau und die Pflege des Radverkehrs in Hamm. Künftig könnte Radfahrern mehr Platz eingeräumt werden. Ausgebaut werden soll die E-Mobilität und der Öffentliche Personennahverkehr.

Durch ein Gutachten wurde bereits 2010 nachgewiesen, dass rund 60 Prozent des im Hammer Stadtgebiet ausgestoßenen CO2 nicht aus dem örtlichen Straßennetz stammt, sondern von den beiden Autobahnen mit ihren rund 200.000 Fahrzeugen pro Tag und einem erheblichen Lkw-Anteil. Die Stadt will nun bei Land und Bund eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 130 km/h auf dem Hammer Stadtgebiet beantragen.

Wirtschaft

Bedingt durch die verkehrsgünstige Lage im Straßen-, Schienen- und Wasserstraßennetz bietet die Logistikbranche erhebliche Potentiale. Dabei soll dem ehemaligen Rangierbahnhof eine besondere Rolle zukommen. Innerstädtischer Lieferverkehr soll vermehrt mit dem Lastenfahrrad ausgefahren werden.

Energie

Über 2000 Photovoltaikanlagen speisen bereits jetzt schon Strom in das Hammer Netz. Ihre Zahl soll ausgebaut werden. Die Stadtwerke werden auf öffentlichen Gebäuden solche Anlagen errichten – 16 Dächer sind schon ausgewählt. Fördern will die Stadt zudem den Ausbau der Windenergie. Das gesamte Stadtgebiet soll dafür neu überplant und nach geeigneten Flächen für die Windkraft gesucht werden.

Energie- und Klimaschutzagentur

Koordiniert werden soll der Plan in einer noch zu gründenden Energie- und Klimaschutzagentur. Sie soll für alle Bürger der Stadt Hamm aber auch für Unternehmen die Anlaufstelle in Sachen Klimaschutz sein. Bevor sie richtig loslegt, soll sie den Status Quo erfassen, eine CO2-Bilanzierung für die Stadt Hamm entwickeln sowie eine Kurzevaluation bisher erzielter Maßnahmen der Verwaltung durchführen.

Das meinen die Verantwortlichen:

Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann sprach bei der Vorstellung des Klima-Aktionsplans gestern von einem großen Wurf: „Unser Ziel ist klar formuliert: Wir wollen und müssen mehr für den Klimaschutz tun“. Der Aktionsplan sei eine Arbeitsgrundlage.

Überzeugt von dem Plan ist auch die große Koalition. „Mit dem Klimaaktionsplan setzen wir ein klares Zeichen: Wir reden nicht nur über Klimaschutz, sondern handeln auch: mit konkreten Maßnahmen“, erklärte Justus Moor (SPD).

„Mit dem Plan gelingt es uns, Wirtschaft und Umweltschutz zusammenzubringen und den Klimaschutz sozialverträglich in Hamm weiter voranzubringen“, ergänzte Dr. Richard Salomon (CDU).

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