Bauvorhaben
Alt trifft Neu: Umbau der Maschinenhäuser auf Radbod naht
Nach langem Warten soll der Umbau der Maschinenhäuser auf Zeche Radbod in Bockum-Hövel losgehen - aber nicht ganz ohne Steine im Weg.
Bockum-Hövel - Es ist wohl eines der spannendsten Bauprojekte in Bockum-Hövel: die Sanierung der Maschinenhäuser 1 und 2 der früheren Zeche Radbod und deren Umnutzung zu Büros. Bald soll’s – nach langem Warten – losgehen.
Alt trifft Neu: Umbau der Maschinenhäuser auf Radbod naht
2022 hatte die Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur die denkmalgeschützten Maschinenhäuser in private Hände gegeben. Fadil Mansuroglu von der „Octopus Invest“ aus Oelde übernahm sie damals – mit der Idee, hier Räumlichkeiten etwa für Start-up-Unternehmen und auch ein Bistro einzurichten. Der Schlüsselübergabe waren Gespräche vorausgegangen, die sich über Jahre zogen – und sie fand statt, kurz nachdem Russland die Ukraine mit einem Angriffskrieg überzog.
Die verheerenden Folgen kennt jeder: Tod und Verzweiflung im Osten Europas, hierzulande eine Energiekrise und – in deren Schlepptau – eine bis dato kaum vorstellbare Inflation samt stark steigender Bauzinsen. Diese Entwicklung, sagt Mehmet Karademir, habe auch das Bauprojekt in Bockum-Hövel erst einmal unfreiwillig zum Erliegen gebracht.
Mehmet Karademir hat vor 2022 als Architekt die Umbaupläne für den Eigentümer ausgearbeitet. Visualisierungen zeigen hübsch aufpolierte historische Backsteinfassaden und mit Bergbauutensilien bestückte Innenräume, die zum Arbeiten regelrecht einzuladen scheinen. „Ich liebe diese Gebäude“, sagt Karademir, dessen Vater beruflich auf dem Pütt zu Hause war. Dem Investor, der sich gerne in Zurückhaltung übe, gehe es ähnlich, so Karademir.
Umbau auf Radbod: Erste Arbeiten im Oktober
Heute tritt der 47-Jährige nach eigenem Bekunden als Berater des Eigentümers auf – und kann ankündigen, dass im Oktober erste Arbeiten am Maschinenhaus 1 anstehen. „Es geht zunächst um reine Instandsetzungsarbeiten. Sie sind schon mit der unteren Denkmalbehörde abgestimmt“, sagt Karademir. Kaputte Scheiben würden ausgetauscht, das Gebäude gesäubert, die Außenanlagen vom vielen Unkraut befreit.
Der Umbau selbst soll in einem nächsten Schritt beginnen. „Wir möchten zunächst das Erdgeschoss und die erste Etage nutzbar machen“, kündigt Karademir an. In Etappen, je nach Finanzierungssituation, sollen dann weitere Räumlichkeiten ausgebaut werden – wenn Haus 1 fertig ist, dann in Haus 2. „Es dauert zwar alles langsamer als geplant, aber wir halten am ursprünglichen Konzept fest. Auch die Gastronomie entsteht zeitverzögert“, so Karademir. Laut dem Berater sollen noch im Oktober die Bauanträge für das Haus 1 bei der Stadt Hamm eingereicht werden. Man hoffe, Anfang nächsten Jahres die Genehmigungen zu bekommen, heißt es. Das denkmalrechtliche Okay liege bereits seit längerer Zeit vor.
Architekt insolvent, Investor nicht: Umbau der Maschinenhäuser auf Radbod
Die Ankündigung vom nahenden Baustart dürfte in Bockum-Hövel für Freude sorgen – und auch ein wenig für Erleichterung. Denn: Karademir steckt seit Herbst vergangenen Jahres in der Insolvenz; das hat sich herumgesprochen, und viele denken irrtümlich, dass er auch der Investor der Maschinenhäuser ist.
„Es stimmt: Ich bin insolvent“, sagt Karademir im WA-Gespräch. Das sei nicht schön, aber Fakt, und er stelle sich der Situation. Was zur Pleite geführt hat? „Ich hatte sehr, sehr viele Projekte“ – ein größeres in Dortmund habe ihm letztlich das Genick gebrochen. Karademir spricht von hohen Rechnungen, die seine Geschäftspartner nicht hätten begleichen können, weil auch sie von den steigenden Zinsen überrascht worden seien.
Die Maschinenhäuser 1 und 2
Die Zeche Radbod wurde gegen Anfang des 20. Jahrhunderts gegründet und lieferte von 1907 bis 1990 Kohle. Die Fördertürme über den Schächten 1 und 2 wurden nach Angaben der „Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur“ zwischen 1907 und 1908 gebaut. Zeitgleich entstanden– im Stile des Historismus – die Fördermaschinenhäuser. „Ihre Fassaden beeindrucken durch Rundbogenfriese, Lisenen und einen Wechsel von Ziegelstein- und Putzfeldern“, heißt es. Im Inneren seien Zwillingstandem-Dampffördermaschinen zu bestaunen, die in NRW zu den wenigen erhaltenen Anlagen ihrer Art gehören würden. 1997 hatte die Stiftung das Denkmalensemble aus Fördertürmen und Maschinenhäusern in ihr Eigentum übernommen, von 2004 bis 2016 folgten zahlreiche Maßnahmen zur Instandhaltung. Von den Maschinenhäusern trennte sich die Stiftung 2022.
Sein Architekturbüro in der Wolfgangstraße musste Karademir auf Geheiß des Insolvenzverwalters zu Jahresbeginn schließen. Nach ihm als Privatperson und Geschäftsmann sind auch mehrere seiner Projektgesellschaften in die Zahlungsunfähigkeit geschlittert. Mittlerweile arbeitet der 47-Jährige als angestellter Betriebsleiter in einem Bauunternehmen. Die Verzögerung beim Umbau der Radbod-Gebäude, so betont er, habe nichts mit der eigenen Pleite zu tun.
Seine Beratertätigkeit in Sachen Maschinenhäuser wickelt Karademir nach eigener Darstellung über ein Architekturbüro mit Hauptsitz in Sundern ab. Architektenleistungen würde teils extern eingekauft. Er selbst und der Investor seien froh, dass es nun endlich losgehen könne., wenn auch in Etappen.
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